Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 7 (13.2.1919)
- Date
- 1919-02-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3495278-3495418-3495425--0860-3496697- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdische Korrespondenz. Rundschau. (Inspektion-es Religionsunterrichtes.) Der Vorstand der Wiener, israelittschen Kultusgemeinde hat einstweilen provisorisch den Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n mit der Leitung der Inspektion des israelitischen Religionsunterrichtes an den Volks- und Bürgerschulen in Wien betraut und ihm als Hilfsorgane fiir diese Agenden die Religionslehrer Lazar Wiesner und Isidor Oehler zugeteilt. (Exzesse in Wieliezka.) Polnische Blätter melden: In Wieliezka bei Krakau ist es zu einem Exzeß gegen die Juden gekommen, da sie. sich weigerten, dem Musterungsbefehle nachzukommen, mit der Behauptung, es handle sich um einen Kampf gegen die Ukrainer, hinsichtlich dessen die Juden sich neutral verhalten wollen. Mehrere jüdischen Geschäfte wurden geplündert, einige Juden verletzt. Todesopfer sind keine zu beklagen. (Gymnasiasten, die jüdische Geschäfte plündern.) Aus Klattau wird berichtet: "Die bolschewistische Bewegung greift auch auf die tschechischen Hochschüler über. Studenten, die aus der russischen Gefangenschaft zurückgekehrt sind, agitieren unter der durch die Wohnungsnot und den Hunger erregten Studentenschaft für bolschewistische Ideen und finden einen empfänglichen Boden vor. Wie demoralisiert übrigens ein Teil der tschechischen Mittelschuljugend ist, geht daraus hervor, daß aus dem hiesigen tschechischen Gymnasium vierzig Schüler ausgeschlossen werden mußten, weil sie sich an den Ausschreitungen und Plünderungen der jüdischen Geschäfte in Klattau beteiligt (Olmütz anerkennt -re jüdische Natioüalttät nicht.) Inder letzten Sitzung der städtischen Verwaltungskommission in Olmütz kam die am 1. März vorzunehmende Volkszählung in Olmütz zur Erörterung. Die Kommission beschloß, daß die Eintragung der jüdischen Nationalität in die Zählbogen nicht erfolgen darf, weil die jüdische Nation nicht gesetzlich anerkannt ist. Dagegen wurde beschlossen, in den Zählungsbogen eine Rubrik „Konfession" aufzunehmen. Der Beschluß'der Verwaltungskommission bedarf noch der Genehmigung durch die Statthalterei. (Fürsorge für jüdische'Kriegsblinde.) Die „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden" teilt mit, daß in Fragen der Fürsorge für jüdische Kriegsblinde" mit der Verwaltung der „Jüdischen Blindenanstalt für Deutschland" eine Beratung stattgefunden habe, in der eine intensivere Tätigkeit zugunsten ''der : jüdischen Kriegsblinden beschlossen ' (Die Schächtfragc - in der Schweizer Bundesversämtnlnng^) In der 'Schweizer Bundesversammlung („Nattönalrat") referierte Holenstein (kach., St. Gallen) über den-Abschnitt „Rechtliche - Angelegenheiten" und teilt - über den Stand der Schächtangelegenheit folgendes mit: Der Bündesr'at' hat bekanntlich einem "Gesuch des „Schweizer - Israelitischen Gemeindebundes", ’ den Juden in der Schweiz ausnahmsweise und vorübergehend das Schächten' zu gestatten, Folge gegeben, immerhin urtter Vorschrift' von Kantelen. Dem Gesuch wurde in der Weise entsprochen, daß einzelne Regierungen nach Maßgabe des Bedürft niffes — die Möglichkeit, das ihren rituellen Satzungen gemäß geschlachtete' Mich; aus' dem Auslande zu beziehen, ist seit dem Kriege den Juden benommen — auf ihrem' Gebiete das Schächten gestatten können) Das Volkswirtschäftsdepartement hatte die Bedingungen festzusetzen,-unter denen diese Schlachtungen vor sich zu.gehen haben. Gegen den bezüglichen Beschluß' haben die- Tierschutzvereine 'Protest erhoben. Daß"der Bundesrat vvrübergchend Ausnahmen unter besonderen Kautelen gestattete, wird im Hinblick auf die 'besonderen Verumständigungen nicht wohl beanstandet werden können. Die KöÄimission billigt den-Beschluß. — Bopp (wild, '-Zürich) rrnd Zürcher (ft., Zürich) sind der Meinung,''es bestehe kein eigentlicher Notstand, hier einen Eingriff in die Verfassung zuzulofiou —BundeSrat Müller glaubt nicht, daß hvate" der Moment-fei, um wieder auf'die ganze Frage des'Schächtens zu sprechen zu kommen. In Frage steht, ob der Bundesrat auf Grund der Vollmachten zu seinem Vorgehen kompetent war. Der Bundesrat glaubte, die vom Israelittschen Gemeindebund vorgebrachten Gründe für sein Gesuch als begründet anerkennen zu sollen. Es handelt sich um eine außerordentliche Lage. In Friedenszeiten ist es um einiges lejchter, Vegetarier zu sein; heute, wo fast alles rationiert ist, hat der völlige Verzicht auf Fleisch eine andere Bedeutung. Damit gab sich der größte Teil der Versammlung zuftieden. (Noch keine Einwanderung nach Palästina.) Das Londoner Zionistische Bureau wird mit Rücksicht auf die in allen Ländern, insbesondere den Ländern jüdischer Massensiedlung, immer mehr um sich greifende Auswanderungsbewegung nach Palästtna, demnächst eine Erklärung veröffentlichen, welche genaue Angaben über die diesbezüglichen Möglichkeiten enthält. Bis dahin übernimmt die zionisttsche Organisattvn keinerlei Verantwortung für eine ohne Einvernehmen mit den zionistischen Stellen erfolgende Auswanderung. Es ist somit dringend anzuraten, daß eine vorzeittge Abreise von Gruppen oder Einzelpersonen aus ihren Wohnlänhern seitens der jüdischen Behörden verhindert (Aus Palästina.) In Jerusalem wurde eine Art „Musterjeschiwa" unter dem Titel „Jeschiwah Hahischtalmut" eröffnet, die in ihrer Lehrtätigkeit nach festen Methoden vorgeht und von den-Absolventen ein bestimmtes Maß von Wissen verlangt. Die Prüfungen werden von den bekannten Rabbinern in Jerusalem vvrgenommen. Auch profane Fächer, besonders Heimatkunde und jüdische Geschichte, sind in das Lehrprogramm ausgenommen. — Ein neu gegründeter Waisenfonds läßt sich die Fürsorge für die erschreckend große Anzahl von schutzlosen Waisenkindern in der heiligen Stadt sehr angelegen sein. — Das Jaffaer Rabbinat gibt in einem Aufruf bekannt, daß sich in letzterer Zeit in Jaffa viele Hotels und Gasthäuser aufgetan hätten, die für rituelle Führung keine Gewähr bieten. Das reisende Publikum wird nach dieser Richtung hin aufs entschiedenste gewarnt. Außerdem wird vom gleichen Rabbinat in einem herzergreifenden -Rundschreiben dem großen Schmerze aller Treugesinnten darüber Ausdruck verliehen. daß es in Jaffa von manchen Kaufleuten mit der Sabbatheiljgung nicht'mehr so genau genommen wird. Die eindringlichen Worte über die Bedeutung und Heiligkeit des Sabbats und unsere doppelte Verpflichtung auf denselben im heiligen Lande der Väter werden hoffentlich nirgends chren Eindruck verfehlen. Herzen-aber verachtete er sie all« insgesamt; das gehörte zur Tradition -seines adeligen Geschlechtes. Den beiden jüdischen Pächtern ging es sehr gut. Rasael, so hieß der Wirtshauspächter, gelangte sogar zu Wohlstand. Als er das Wirtshaus pachtete, war er verlobt. Drei Wochen nach seiner Hochzeit zog er ins Dorf. Seine Gattin Riwka war eine Waise aus Chelm, das einzige Kind eines der angesehensten dortigen Juden, welcher einige Wochen vor ihrer Hochzeit-starb. Sie war nicht nur schön, sondern auch klug. Sie bewirtete die Ortschastsbauern zu ihrer vollsten Zufriedenheit .und,var bei allen sehr beliebt. Der Name der „schönen Riwka" war in kurzer Zeit in allen umliegenden Dörfern bekannt. Bon fernliegenden Ortschaften-kamen Bauern, um bei ihr die Einkäufe zu besorgen. Wenn ein mit seinem Schicksal zufriedener Mensch als besonders reich gelten darf, so dürfte Rafael als der Reichste im Lande gehalten werden. Eines Tages unternahm Bronislam einen Ritt durchs Dorf. Ms er an dem Wirtshaus« vvrbrmtt, stieg er vom Pferde ab und begab sich" in das Schankhaus, um einen Erfrischungstrank zu nehmen-. Das Wirtshaus wimmelte von Bauern. Ms sie Bronislaw erblickten, knieten sie nieder, um ihrem gnädigen Herrn Ehre-und Unterwürfigkeit zu beweisen. . Rafael stand bei der Schanklade und bediente die Bauern. Seine Gattin Riwka war zufällig , in der Küche,, um das Mittagessen' bereit zu machen. Bon der Küche her hörte sie wie eine energische Hand die Tür'öffnete, sie kümmerte sich aber wenig darum. Rasael begrüßte den Gutsherrn ehrfurchtsooll.-indem er seine Kappe zogünd im Polnischen sprach: „Willkommen mein Herr und Graf." Bronislaw warf nach allen'Seiten Blicke,-als hätte er Bestimmtes gesucht- Sicherlich drang an seine Obren die Nachricht vonder ^.schönen -Riwka", darum der Ritt hieher, darum das Suchen. Grat Bronislaw ließ sich ein GläS Bier ^geben, trank ein wenigdaran, stellte es aber wieder weg. . Mit der Reitgerte in der Hand spazierte erübets Zimmer, teilte den Bauern-zärtliche.Hiebe aus,-durch welche sich die Geschlagenen beglückt fühlten. _ (Fortsetzung folgt.) Neue Bücher. »»Die Wahlordnung." In der Manischen Berlags- und Universitätsbuchhandlung (Wien I) ist ,;Die Wahlordnung für die konstituierende Nationalversammlung inDeiltschösterreich"mitdenNachtragsgesetzen„Erwerbung der.Staatsbürgerschaft und besondere Nachtragsgesetze", systematisch bearbeitet von Graf Paul Scayinelli.erschienen Man hat es mit einer glücklichen Zusammenstellung der gesamten bisherigen Gesetzgebung zu> tun,- die auch in der Kommentierung praktischÄiffenschaftlichen Zug aufweist. 'Das Buch ist in erster Linie für den Wähler geschrieben und aus diesem Grunde wird jedes Abschweifen vonder Materie vermieden. -Trotzdem -bereits die.«ine oder andere Wahlgesetzkompination auf. dem Markte, zu verzeichnen ist, wird die Arbeit Scapinellis gerade, jetzt für-den praktischen Politiker und vor allem für die Wahlbehörden zum notwendigen Rachschlagrbuch. 'Der Basischem von Lhelm und -sein Golem. Neue Golem-Sagen. — Ausgewählt und bearbeitet von C h a i m B l o ch, Delatyn. 3. Dermalem rettet eine' Hutführte. . In einem Dorfe nicht fern von Chelm, auf dem Wege demnach' Lublin' führt, stand ein-großes palastartiges Gebäude. In diesem Hause wohnte ein Gutsherr, Graf Witold. Von Natur aus mürrisch veranlagt, verlebte er die altenJahre ganz als Sonderling. Erwarseit Jahren Witwer Und batte einen einzigen^ Sohn Bronislaw, wttcher in Warschau erzogen wurde.. -Juden duldete er nicht; wollte ihnen Wirtshaus und Mühle nicht'verpachten' und setzte über seins Geschäfte einen Intendanten'ein. - MS Graf Witold gestorben war und Bronislaw-seine Erbschaft' antrat, wurde er gewahr, "daßder Intendant alle Jahre hindurch viel Geld veruntreute. Mühlen und Wirtschaftsgebäude' waren baufällig und diein -den Büchern eingetragenen Kosten der Restaurierungen stellten sich-als falsch heraus. ' Er ließ daher den Intendanten insGefängnis bringen und übernahM'felbst die Verwaltung des Gutes. 'Bon der Natur äußerlich und geistig wenig-begünstigt, hielt er sich am Wodkagenuffe schadlos und dann, daß erden Mädchen und Frauen "des Dorfes -nächstellte, unter denen'es bald keine einzige gab, welches immer atich ihr-Alter-'und ihre' Stellung senU mochte, di« Nicht sein Opfer geworden wäre. Denn er'betrachtete nicht nur daS Erdreich, sondern auch die Einwohner des- -Ortes als sein Eigentum und er machte sich-- nicht die geringsten Skrupel; sie alle nach seiner Laune auszubenten. '-'Er vernachlässigte durch sein tolles Leben seine Wirtschaft' derart, daß er dem 'Ruine' Nahe'-war. - Um 'sich -aus seiner-Situation zu--retten,' verpachtete Brdnisläw Mühle und^Wirtshaus an je einen-Juden, von wrlchen'er Namhafte-'BetrSge^nls Borschusi-erhielt, um seine Gläubiger zu -befriedigen)'Auch drr'Getrridefechsunä' und andere-landtvirtschaftliche Vrttkel verkduste er an-seine-Pächter. - Tatsächlich gelang os-ihm-auf diese Weise;' feine- -arg bedrohte Lage zu verbeffern, er wUrde daher den Juden ein gewogener Herr und erfüllte jede ihrer Bitten. Im US8ÄMö!(8l!M8ckch -- Große Schiffgasse 8.- Gebetstunden fn der -Zeit vom' I4.bis2l. Adar SG79 CI4. bis 21. Fbbraar 1919). Freitag, 14.1 Adar (14. Februar): Sabbateingang 505. Samstag, 16/Adar: -Morgengebet'7 und 9‘80;'Mincha 1215 und 3'80. Sabbatausgang-. 560. An- Wochentagen: MorgeOgebet 6*30,-Mincha 6. Freitag, '21, Adar:-Sabbateingang 616. '‘Anmeldungen von' Ehesuf geboten,Trauungen1 und Barmlzwah. werde» Während der - Kanzleisiunden, 9—12 und S^S/vbr, wird für ein -chassidisches Beihaus;-gesucht. Vorzustellen: Wien,- XVII., Theleraangasse' 8. GE8UCHT'8eminati&ti8ch?BbiWBterjlorthoiloxer RABBINÄTS -KANDIDAT welcher ..-fonn mm 'besitzt, als' Lehrer; fiir die höheren'Klassen. Anfangsgehalt- 3000^his 4000 Franken. Offerte jnit Gehaltsartspruchunter Beilage von Referenzen, Zeugnissen und Photographie an, die Israelitische Kultusgemeinde Luzern (Schweiz) . Adr. Präsident S. Erlanger senior. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppel- Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hemalser Gürtel 20. .