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Jüdische Korrespondenz · 1919-02-06 · 6 (6.2.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
6 (6.2.1919)
Date
1919-02-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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JSTr. 6 Jüdische Korrespondenz. nutzlos ins Mittelländische oder Tote Meer ab, bedeutende Phosphatlager und Asphaltquellen (im und um das Tote Meer) werden entweder gar nicht oder erbärmlich ausgebeutet, und der Verkehr in diesem so zentral gelegenen Lande war bis vor ein paar Jahren unglaublich schlecht und unsicher. Nun ist Palästina, dank seiner geographischen Lage — zwischen Aegypten und Syrien, an der Küste des Mittelmeers — dazu ausersehen, ein idealer Vermittler und Hauptknotenpunkt zu werden zwischen Südosteuropa und Vorderasien-Arabien. Palästina besitzt aber noch eine Eigenschaft, die für seine rasche Entwicklung von großer Bedeutung ist: es ist ein vorzügliches Touristeuland. Wie die Schweiz, Italien, Aegypten und Griechenland, besitzt Palästina neben den nattirlichen Reizen, die in Galiläa zu hehrer Pracht imd berückender Schönheit emporsteigen, auch viele historische und die meisten religiösen Altertümer der Welt. Heute, wo die Gefahren der Reise beseitigt sind und das Laüd infolge der Einbeziehung in das britische Reich auch verkehrstechnisch besser als vorher stehen wird, ist ein Touristenverkehr zu erwarten, der in die Hunderttausende gehen wird, wie man sie in den wenigsten europäischen Ländern kennt. Schon entwirft man in Jaffa und Jerusalem Baupläne für große, moderne Hotels, für die Anlage von Wasserwerken und Straßenbahnen, für_ neue, gut ausgestattete Wohnhäuser, für die großen Hafenanlagen in Haifa und Jaffa, und die Vorbereitungen für die kommende große Zuwanderung werden von Fachleuten betrieben. Jüdische Agronome und Ingenieure studieren die Möglichkeiten für die Ausdehnung der Kulturen und namentlich der so nutzbringenden Plantagen im Küstengebiet. JnJaffa ist der Boden für ungefähr tausend neue Häuser seit Jahr und Tag parzelliert, mit Wasserleitungen versehen und zum Teil auch in Straßen und Viertel eingeteilt. Haifa hat alle Aussicht, der größte, Hafen des Landes zu werdest. Die Karmelstadt wird demnächst ein Welthafen von großer Bedeutung werden, da durch die prachtvolle Akkabncht auch die Voraussetzungen für einen natürlichen Hafen vollauf gegeben sind. Beersewa, das vor drei Jahren von Jerusalem aus durch mehr als zweitätige Reise kaum zu erreichen war, ist heute Eisenbahnknotenpunkt auf dem Wege zwischen Kairo und Damaskus-Aleppo, während es anderseits die Küste mit der Hedschasbahn verbindet und später diese Verbindung bis gegen den Akabazipfel des Roten Meeres verlängert wird. Daß unter diesen Umständen die kleine Ortschaft inmitten der fruchtbaren Gerstenfelder und fetten Weiden in einigen Jahren eine Großstadt zu werden bestimmt ist, liegt auf der Hand. Aehnlich wird es auch Jericho ergehen. Der Bau einer Transversaleisenbahn Jerusalem-Salt ist bereits vorgesehen und wird über Jericho abgesteckt werden, so daß die alte Palmenstadt wiederum, zu neuer Blüte erstehen wird. Hebron, Nazareth, Sichem, Liberias, Safed, alles Orte, die an wichtigen Verkehrskreuzungen liegen, heute aber entsetzlich heruntergekommene Schutthaufen und Schmutzherde bilden, oder infolge Mangels an richtigen Wegen abseits vom Verkehr liegen, werden durch einige gute Straßen und Bahnen zu bedeutenden Städten und zu Zentren für die umliegenden Dörfer und Kolonien werden. Die Verbesserungen des Verkehrs werden dann gestatten, daß die Produkte der einzelnen Striche, die heute schlechten Absatz und kaum lohnende Ausbeute finden, für In- und Auslandbedarf rasch und sicher verfrachtet werden können. Der Fischreichtum des Genezarethsees, die Seifenerzeugung in Samaria und die herrlichen Gemüse des Jordantales werden nun über das ganze Land verteilt werden können. Handwerk und Industrie, Handel und Technik, Fremdenverkehr und Hotellerie werden in Palästina-Syrien einen Aufschwung nehmen, wie ihn diese Länder vielleicht nie erreicht hätten, wenn sic unter der bisherigen Mißwirtschaft verblieben wären. Schon rüsten sich Massen von jüdischen Arbeitern und Handwerkern für die Abreise nach dem ersehnten alten Heimatlande, schon bereiten sich die größten Handelshäuser der Welt vor, den durch vier Kriegsjahre aufs äußerste verschärften Warenhunger des gesamten Orients zu stillen und ihre Niederlassungen in den zukunftsreichen Gebieten -einzurichten. _ Adas Imoel (Schiffschul) Wien. Das Rabbinat der Adas Jisroel (Schiffschul) bringt hiemit zur allgemeinen Kenntnis, daß es die nrirc’n (rituelle Aufsicht) in bezug auf rrrü'Z nur bei den Geflügelhandlungen: Leopold Gansl, II., Große Schiffgasse 16, Johanna Grünwald, H., Große Schiffgasse 7, Lazar Kaufmann, II., Große Schiffgasse 18, Helene Kohn, II., Im Werd 15, ausübt. Diese bezieht sich ausschließlich auf ganze Geflügelstücke, keineswegs auf einzelne Geflügelteile (Fett usw.). Die zum Verkauf gelangenden Geflügelstücke sind mit einer deutlichen Marke der Adas Jisroel, als Zeichen der Aufsicht, versehen. _ Rundschau. («ou der galizischen Agrrdas Jisroel.) Sonntag, den 2. Februar, fand eine Vorstandssitzung der galizischen Agudas Jisroel in Wien statt, bei welcher zunächst die Delegierten zum Weltkongreß der Orthodoxie in Zürich gewählt wurden, und zwar die Herren I. I. Thumin (Przemysl), Akiwa Schreiber (Sereth), B. Steinberg (Rzeszvw), B. Frankel (Krakau), D. Fast (Tarnow) und M. Schmelkes. lieber Wunsch des Großrabbiners von. Czortkow wurde auch Herr Salomon Schreiber (Pöstyan) ersucht, ein Delegierteymandat anzunehmen. — Ferner wurde Herr N. M. Heller zum Kassier bestellt, sowie beschlossen, außer' den fünf Chedarim auch ein solches für erwachsene Bachurim (Talmud- und Meferschimunterrichtj zu eröffnen, respektive die Kosten desselben vom Anfang des Wintersemesters auf Rechnung der Aguda zu nehmen. Schließlich wurde eine Monatssubvention für die Mikwah im Dianabad bewilligt. — Die Delegierten zum Kongreß in Zürich erhielten die Direktive, dahin zu wirken, daß für die strenggläubigen Juden aus Galizien und der Bukowina in Wien für Passah Mazzott geliefert werden, und zwar in natura. — Bezüglich des Kriegswaisenfonds wurde über Antrag des Herrn Akiwa Schreiber beschlossen, zunächst in Wien oder Umgebung ein provisorisches Waisenhaus für 100 Kinder zu errichten, wofür entsprechende Lokalitäten ausfindig gemacht werden sollen. Späterhin, sobald die Möglichkeit gegeben fein wird, soll das Waisenhaus nach Palästina übersiedelt werden. (Trotzky, Kamenew und Joffe — getauft?) Es ist ein schwerer Irrtum, anzunehmen, daß das russische Judentum „eine Stütze des Bolschewismus" sei. Trotzky, Kamenew und Joffe sind Täuflinge, vollständig assimilierte Russen, die bei jeder Gelegenheit erklären, „Internationalisten" zu fein. Bei sämtlichen jüdischen Gemeindewahlen in Rußland haben die Bolschewiken eine Niederlage erlitten. In der russifchen Roten Garde ist kein einziger Jude, wohl aber zahlreiche in der Weißen Garde. Ein jüdisches Mädchen Dora Kaplan endete am Galgen, weil sie gegen Lenin ein Attentat versucht hatte. Ein junger jüdischer Advokat Wilenken gründete ein Komitee zur Bekämpfung der Bolschewiken, er wurde erschossen. Ebenso in Petersburg Margulies. Die Zahl der jüdischen Opfer für den Bolschewismus ist enorm. Daß man trotzdem bemüht ist, die Juden für den Bolschewismus verantwortlich zu machen, entspricht der traditionellen Politik aller reaktionären Parteien. (Bolschewiki gegen die Inden.) Das jüdische Kommissariat in der Räteregierung betrachtet den Kampf gegen die jüdisch-nationale Bewegung und ihre Organe als eines ihrer wichtigsten Ziele. Die Einberufung eines jüdischen Kongresses wurde verhindert, die großen jüdischen, kulturellen und nationalpolitischen Gesellschaften unter Kontrolle gestellt, alle jüdischen und russisch-jüdischen Preßorgane verboten. Man beschloß die jüdischen Gemeinden als konterrevolutionäre Nester zu schließen, die Mitglieder der Gemeindeverwaltung auseinander zu jagen und den gesamten Gemeindeapparat zu bolschewistischen Zwecken zu verwenden. Jetzt beschäftigt sich das Kommissariat mit dem Projekt der Auflösung des Rabbinats. Eine besondere Aufmerksamkeit widmen die Bolschewisten den Zionisten. Lissewsky, selbst Jude, erklärte neulich, die Feinde des Bolschewismus seien die „Schwarze Hundert", die linken Sozialrevolutionäre und die Zionisten. An Stelle des eingestellten „Rasswjet" wurde den Zionisten jetzt gestattet, eine „Chronika Jewreiskoy Jisni" herauszugeben, die aber bloß Mitteilungen aus dem jüdischen Leben in Rußland und Palästina, ohne Aufsätze und Leitartikel bringen darf. (Aus der Ukraine.) Aus Kiew wird geschrieben: Das Nationalsekretariat erfährt von fortwährenden neuen Gewalttaten gegen die Juden in. einzelnen Städten, fo Obrutsch, Konopot, Sargi und anderen kleinen Ortschaften. — Auf Veranlassung des Ministers für jüdische Angelegenheiten Rewutzki wies der ukrainische Ministerrat drei Millionen Rubel für die Pogromopfer in Berditschem und Zitomir an. Das Geld wird durch die dortigen jüdischen Gemeinden unter Aufsicht des jüdischen Ministeriums verteilt werden. (David Lubin.) David Lubin, der bekannte Gründer des internationalen Instituts für Landwirtschaft und Vertreter der Vereinigten Staaten in diesem Institut, ist Anfangs Jänner in Rom gestorben. Von polnischen Eltern stammend, begann er als einfacher Zeitungsbursche ein mühsames Leben. Durch seine Arbeit wurde er schließlich einer der größten Pflanzer von Kalifornien. Seine Anstrengungen waren dahin gerichtet, den amerikanischen Getreidespekulationen ein Ende zu bereiten. Im Jahre 1905 fand ans Italiens Veranlassung eine internationale Konferenz in Rom statt, um eine internationale Körperschaft zu diesem Zweck zu bilden. Seine Absicht war, in Palästina ein finanzielles und industrielles Zentrum nach amerikanischem Beispiel zu errichten. (JndifcheAltertnmer in Siebenbürgen.) Siebenbürgen, das klassische Land des Antisemitismus in dem sonst von Antisemiten ziemlich freien Ungarn, besitzt ein ehrwürdiges Denkmal jüdischer Vorzeit. Die Gegend von Zalatna, dem Hauptort des siebenbürgischen Erzgebirges am goldführenden Ompoy, ist ein besonders ergiebiger Fundort für römische Altertümer. In der Nähe der Stadt liegt der Judenberg (Zsidovür), aus dem einst die alte römische Kolonie Auraria Parva blühte, in der römische Münzen geprägt wurden. Jüdische Sklaven sollen die Stadt gebaut und in den noch heute ergiebigen Bergwerken gearbeitet haben. Nach der Niederschlagung des Aufstandes unter Bar Kochba durch Julius Severus wurden von Aegypten und Palästina Tausende von jüdischen Sklaven hieher verpflanzt. Waren ihrer, doch damals so viele, daß, wie j)er Historiker Flavius Josephus erzählt, auf den Sklavenmärkten zu Kyrene und Askalon zehn jüdische Sklaven um eine Scheffel Gerste erhältlich waren. Ausgrabungen, die man im Jahre 1776 am Fuße des Berges gemacht hat, haben eine Menge großer Ziegel von eigentümlicher Form und behauener Steine zutage gefördert. Auf einzelnen der letzteren war der Name Gottes deutlich genug wahrzunehmen. (Die größte Judengemeinde der Welt.) Das Jewish Communal Register 1917 '18, herausgegeben von der jüdischen Gemeinde in New-Iork, gibt interessante Daten über diese größte Judengemeinde der Welt; sie wird «»(1,500.000 Seelen geschätzt (die amerikanische Regierung zählt nicht nach Konfessionen). Die Gründung einer Judengemeinde in New-Uork, welche die verschiedenen religiösen und philanthropischen Gruppen zusammenfaßte, erfolgte erst vor zirka zehn Jahren, hauptsächlich durch die Bemühungen von Dr. Magnes. Es wurde ein Waad Rabbanim für die religiösen Fragen errichtet, Jakob Schiff stiftete einen Fonds von 75.000 Dollar für das Schulwerk. Das Jahresbudget der Gemeinde beträgt 8,600.000 Dollar für Unterricht, 2,500.000 für Erholungsheime und körperliche Ertüchtigung, 8,600.000 für Handel und Industrie, 4,000.000 für Philanthropie und Rechtswesen. Die Synagogen zählen 381 Sitze. 76 Prozent der Kinder erhalten keinen Religionsunterricht, 14 Prozent besuchen die öffentlichen jüdischen Schulen, 5 Prozent die Chedarim und der Rest private Unterrichtsanstalten. (Geheimnisvolle Zeichen.) In Berlin ist eine Beunruhigimg hervorgerufen worden durch geheimnisvolle Zeichen, die au vorwiegend jüdischen Häusern angebracht waren. Derartige Zeichen fanden sich vor einigen Wochen auch in. Frankfurt a. M. an vorwiegend von Juden bewohnten Häusern vor. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist aber änzunehmen, daß diese Zeichen von neuen, aus dem Felde zurückgekehrten Zeitungsausträgern herrührten, welche auf.

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