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Jüdische Korrespondenz · 1919-02-06 · 6 (6.2.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
6 (6.2.1919)
Date
1919-02-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 6 solche Weise die Häuser kennzeichneten, in denen sie Zeitungen regelmäßig abzugeben haben. Es können auch Zeichen für Bettler sein, welche ihreft Zunftgenossen damit solche Häuser und Wohnungen kenntlich machen, in denen reichliche Almosen gespendet zu werden pflegen. Daß übrigens solche mysteriöse, nicht sofort aufklärbare Zeichen auch Behörden unnützerweise beunruhigen können, beweist ein Vorkommnis aus der Zeit des Kulturkampfes. Die Polizei fand damals ein mit unbekannten Zeichen bedecktes Schriftstück, das seinem Aeußeren nach eine Liste, anscheinend von Namen oder Adressen zu sein schien. Bei der Nervosität in jener Gegend glaubte man ohne weiteres etwa eine Liste im Geheimen geweihter katholischer Geistlicher vor sich.zu haben. Doch fand sich niemand, der einen Sinn in die Geheimschrift bringen konnte. Schließlich legte man das Schriftstück dem Rabbiner vor, bei dem man bei seiner Kenntnis verschiedener orientalischer Schriften noch einige Hoffnung hatte, daß er es entziffern könnte. Zur allgemeinen Verblüffung stellte dieser sofort fest, daß cs sich um hebräische Kursivschrift handelte und eine „Schnorrliste" war, die in Bettlerkreisen kursierte und die Namen der in jenen Kreisen bestempfohlenen reichen Glaubensgenossen enthielt. (Das Lebe» der Jude« in Moskau.) Der. Kiewer „Wieczernij Koloß" meldet aus Moskau: JedeS gesellschaftliche Leben ist für uns unterdrückt. Alle Organisationen sind verpflichtet, beim Soviel um Legalisierung nachzusuchen. Die zionistische Organisation hat ihre Tätigkeit vollständig eingestellt. Es gibt keine Konferenzen, Referate, Vorträge mehr, die Tausende Zuhörer anzulocken pflegten, ebenso keine Konzerte der jüdischen Volksmusik. Unlängst wurde in einem Dekret die zionistische Bewegung als konterrevolutionär erklärt. Aber nicht nur dies bewog die Zionisten zum Abbruch ihrer Arbeit, sondern auch die ungünstige allgemeine Situation. Don allen jüdischen Parteien ist in Moskau bemerkbar. Der „Wieczernij Goloß" schließt: Finster und traurig sieht es jetzt in der Judengasse Moskaus aus. Alles zerfiel. Das jüdische Leben ist einfach stehen vereinsnachrichten. Wien. Am 13. Februar, abends (Klein-Purim), wird im Turnsaal der Talmud Thora das Schulfest der „Jcsod Hathora" der Adas Jisroel abgehalten; dasselbe verspricht sehr schön zu werden. Der Baalschem von Lhelm und sein Golem. Neue Golem-Sagen. — Ausgcwßhlt und bearbeitet von C h a i m Bloch, Delatyn. (Fortsetzung.) Den Blick zum Himmel gerichtet, sprach er aus der Tiefe seines Herzens: „Herr aller Welten, Schöpfer aller Seelen, Dir ists offenbar, daß nicht Ehrgeiz mich zu dieser Arbeit verleitete. Nicht, meines eigenen Zweckes wegen unternahm ichs, eine Gestalt nach Deinem Ebenbilde zu verfertigen. Ich flehe daher zu Dir: Walte Gnade und verleihe mir die Kraft, den Heiligen Name ohne Zagen und ohne Scheu auszusprechen, damit ich nicht siräuchle und meinen Anteil in der kommenden Welt nicht verlustig werde." Und er machte sich daran, das Gefährlichste in seiner Handlung zu unternehmen: den ausdrücklichen Name Gottes auszusprechen. Ein heiliger Schauder erfaßte ihn; schon wollte er vom ganzen Unternehmen zurücktreten. Da bemächtigte sich seiner die Gewalt des Willens und eine innere Stimme rief ihm zu: „Vollende, was du in Heiligkeit unternommen hast." Darauf sprach er den „ausdrücklichen Gottesname". Aber er sprach ihn so aus, wie es der Hohepriester am Bersöhnungstage im Allerheiligsten zu tun pflegte: er verschlang ihn. Beim Aussprechen war sein Blick auf die Gestalt gerichtet, hauptsächlich auf dem Kopf gegen die Hirnstelle. Er trat an den Lehmkoloß heran, tastete jedes seiner Glieder, wie die eines schlafenden Menschen. Den Geschlechtsteil berührte er nicht, weil er ihm die Kraft des Zeugens nicht geben wollte. Jetzt erst nannte er geläufig die Namen jener Engel, die über Blut, Nerven, Herz und Hirn gesetzt sind, und Meister und Jünger mcrtten, als der Lehmkörper zur Glut wurde. Nun beriet Rabbi Elie mit seinem Jünger über die Frage, ob er als Schöpfer des Golems an der Beschncidung desselben verpflichtet ist. Sie kamen überein, daß eine solche Verpflichtung nicht bestehe. Doch entschied Rabbi Elie, die Beschneidung ohne den Segenspruch vomunehmen, damit die Leute, die nicht wissen werden, was für ein Bewandtnis es mit dem Golem habe, nicht annehmen, es sei ein unbeschnittener Jude. Unter Assistenz des Jüngers vollzog Rabbi Elie die Beschneidung. Der Golem rührte sich nicht, und auch kein Laut des Schmerzes wurde vernehmbar. Das Blut rann jedoch wie von einem natürlichen Menschen. Wohl war Rabbi Elie ein Gegner des Brauches der Kabbalisten, heilige Namen auf Papier zu schreiben, doch mußte er diesmal gegen seinem Prinzrpe handeln, „weil die Stunde es nötig hatte". Er schrieb auf einem Pergamentstreifen das Wort „Jechjah". Er wählte dieses Wort, welches vor allem zwei Buchstaben, „I" und „H", die Hälfte des ausdrücklichen Gottesnamens, enthielt. Das Wort aber bedeutet „Er soll leben". Und nun kam der Moment, in dem der Schöpfer von dem Werk, das er hier schuf, sich gehoben fühlte. Jetzt machte er dem.Golem einen Einschnitt auf der hohen Stirn und legte den Pergamentstreifen ein- Als Rabbi Elie damit fertig war, machte der Golem eine Miene, wie ein Mensch, der mit einer Feuerrute berührt wurde. So war ihm das Leben gegeben. Jetzt trat Rabbi Elie an die Gestalt heran und sprach mit kräftiger anherrschender Stimme: „Stehe auf, Israel!" Er gab ihm diesen Namen, weis auch in ihm ein Gottesname inne ist. Eine plumpe träge Menschengestalt erhob sich, als stünde sie vom Schlafe auf und schaute die ihr gegenüber stehenden Männer halb lachend, halb fragend an - .. Im dunklen Osten dämmerte es bereits. Der Wind trieb die Wolken vor sich her, auf dem Firmament erschien der Morgenstern. Rabbi Elie wies seinem Jünger mit dem Finger gegen Osten und sprach: „Schau! so weicht die Nacht dem Tage. Möge denn durch den von uns erschaffenen Golem alles Böse in diesem Lande niedergeriffen werden, daß sich unsere Morgenröte durch die finsteren Wolken, die über unser Volk lasten, durchschlagen können soll- Amen". Nun wurde Rabbi Elie von einer Freude erfaßt, da er den Golem in seiner Riesengestalt vor sich sah. Denn seit dem Augenblick seiner Belebung war der Golem mit einigen Fäusten höher und dicker, auch Haar war an seinem Kopfe und Gesichte. Rabbi Elie wendete sich an den Golem mit den Worten: „Ziehe die Kleider an und folge mir!" Und der Golem zögerte nicht, die Gewänder anzüziehen, und er gehorchte dem Rabbi so willig, als kannte er ihn schon von ftüher her als seinen Herrn. Der verträumt aussehende Hügel badete in Frühlingsschönbeit. Die weißen schlanken Birken senkten tief ihr leise erschauerndes Gezweig auf die dunklen Tannen, daß es wie duftige Schleier darüber hinwehte. Die Sonne spannte' ihre Strahlenfäden über die bräutlichen jungen Birkenstämme. Blütenkerzen hingen aus den weißen Knospen schwer herab und tausend bunte Blumenaugen hoben sich -strahlend aus Gras und Moos empor der Sonne entgegen; sie glichen den-frohmüttgen Hoffnungen Rabbi Elies. Den schmalen Waldweg, der von dem Hügel in die Stadt führt, schritten drei Männer in tiefer Schweigsamkeit. Als sie in des Rabbis Haus kamen, führte Rabbi Elie den Golem in seine Kammer der Abgeschiedenheit. Hier unterrichtete er ihn, zu welchem Behüfe er ihn erschaffte. Er sprach zu ihm: „Ich entbinde Dich von allen Geboten und Verboten in allen jenen Fällen, wo es mit irgend einer Gefahr für Juden verbunden ist. Dein einziges Gebot ist, die Befehle deines Schöpfers zu befolgen." Der Vorzug des Golems Israel über alle andere bis dahin erschaffenen Golems war, daß er auch das Hör-und Sprachvermögen besaß. Er gab daher zur Antwort: „Ich werde alle Eure Befehle treu erfüllen". Rabbi Elie ließ seine Gattin hercinkommen und er sprach zu ihr: „Schau, ein 'Fremder auS unserem Stamme hatte sich in unserem Orte eingefunden und suchte in unserem Hause Unterkunft. Da der Mann seit längerer Zeit keine Nahrung zu sich nahm, reiche ihm etwas zum Effen". Da dies geschehen war, sah Rabbi Elie, daß der Golem es nicht zustande brachte, Löffel, Gabel und Meffer zu gebrauchen und die Speise zum Mund zu nehmen. Stumpf und wortlos saß er da. Die Gattin des Rabbi glaubte, er sei des Weges müde und sie sprach zu ihrem Manne leise, er möge den Gast vorher einige Zeit ruhen laffen. Als sie sich entfernte, sprach Rabbi Elie zum Golem: „Du wirst in dieser Kammer meiner Abgeschiedenheit dein Lager aufschlaaen, damit ich, wenn ich dir nachts was zu befehlen habe, dich neben mich haben soll- Bor den Leuten wirst du aber als mein Leibdiener gellen." Nun befahl ihm Rabbi Elie, sich zur Ruhe zu begeben und so lange zu schlafen, bis er ihn wieder wecken wird. Als der Golem einschlummerte, trat Rabbi Elie an ihn heran und flüsterte ihm, um sein Golemwesen zu vervollkommnen, noch einige heilige Namen ins Ohr. Durch den einen der Formelle wurde er zum Unsichtbaren gemacht. Selbstverständlich nur für solche Fälle, die seine Unsichtbarkeit bedingen werden. Von diesem Tage an war Israel Golem ein häufiger Gast in den Gemächern der mächtigsten Grafen und Gutsherren. Ohne Scheu vor Dunkelheit und Wetter stteifte er in Stadt und Land umher. Edelleute und Bauern hielten ihn für einen Idioten, hatten Mitleid mit ihm und gaben ihm Effen, wußten aber nicht, daß er ihre Gespräche belauschte. Auch die Juden nannten ihn nicht anders als „Srulik, der Narr", es beftemdete sic nur, daß sich der Baalschem ihn als Leibdiener nahm, welcher, abgesehen von seiner Unbeholfenheit, doch die religiösen Gebote übertrat und auch Trefa aß. Von dem wahren Treiben des Golems hatten jedoch nur wenige Leute Kenntnis. (Fortsetzung folgt.) Reue Bücher. „Fischke, der Krumme." Ein jüdischer Roman von Mendele Mocher-Sforim. Deutsch von Alexander Eliasbcrg. 1918. R. Löwit Verlag, Wien-Berlin. Preis: broschiert K 8-—, gebunden K 10—. — „Fischte, der Krumme" ist eines der besten Werke des Altmeisters der jiddischen Literatur, Menoele Mocher-Sforim (Scholem- Jaakew-Abrahamowitsch). Es gehört gewissermaßen zur klassischen jiddischen Literatur - und besitzt sowohl nach Form als auch nach Inhalt einen bleibenden Wert. Es war sicherlich ein guter Gedgnke, dieses Buch auch dem deutschen Lesepublikum zugänglich zu machen. Die Uebersetzung mag auch an manchen Stellen etwas zu wünschen übrig laffen, da sie den jiddischen Stil nicht ganz klar wiedergibt — immerhin ist es eine gute Arbeit. „Palästina." Seine Geschichte und Kultur im Lichte der neuesten Ausgrabungen und Forschungen. Von A. Schechter. Mit einer Kartenskizze. Berlin, Verlag von Louis Lamm, 1918. Preis Mk. 4r—. — Das lebhafte Interesse, das Palästtna zurzeit erregt, läßt diese Schrift alS überaus zeitgemäß erscheinen. Sie ist inhaltsreich, populär gehalten und bietet jedem Leser Interessantes und Wissenswertes. „Ausdehnung der Kriegssteuer auf das Jahr 1918." Von Dr. Blasak. Wien, 1918. Manz-Verlag. — Trotz der inzwischen veränderten politischen Verhältnisse bietet diese sorgfältig bearbeitete Ausgabe des Gesetzes vom 17. April 1918, betreffend die Ausdehnung der Kriegssteuer auf das Jahr 1918, und die Durchführungsverordnung vom 0. Juli 1918 über die Kriegssteuer für die Jahre 1916, 1917 und 1916, jedem Bürger viel Wissenswertes und Belehrendes. „Tancred" oder ,,Der neue Kreuzzug". Von Lord Beaconsfield (Benjamin Disraeli). Verlag von Georg Müller, München und Berlin. — Die deutsche Ausgabe dieses Buches ist im Jahre 1914 erschienen. Weder der Uebersetzer noch der Verleger konnten damals ahnen, wie zeitgemäß dasselbe einige Jahre darauf sein wird^ darin gewissermaßen als voraussehender Denker, der dem heiligen Lande eine geisttge Wiederauferstehung verkündete. Bei dieser Gelegenheit mag daran erinnert werden, daß bereits vor vielen Jahren eine hebräische Uebersetzung dieses Buches erschienen ist. II., Große SchHfgasse 8.- Gehetsfunden in der Zeit vom 7. bis 14. Adar 5679 (7. bis 14. Februar 1919). Freitag, 7. Adar (7. Februar): Sabbateingang 456. S a m s t a tv 8. Adar: Morgengebet 7 und 9 30, Mincha. 1215 und 3 30. Sabbatausgang: 5 40. An Wochentagen: Morgengebet 6-45, Mincha 5. Donnerstag, den 13. Adar: Mincha 4 45. Freitag, 14. Adar: jEp D'HIS Sabbateingang 505. Anmeldungen von Eheaufgeboten, Trauungen und Barmizwah werden wahrend der Kanzleistunden, 9—12 und 3—6 Uhr, entgegengenommen. WILHELM KOHIM Gas- und Wasserleitungsinstallateur WIEN, II., Stephaniestr. 6 — Hammer-Purgstallg. I übernimmt sämtliche Gas- und Beleuchtungsarbeiten sowie Neueinrichtungen von Badezimmern und Wasserleitungen zu den 1 kulantesten Bedingungen. Prompte und auch gediegene Ausführung. Samstag und an indischen Feiertagen geschlossen. BRENNHOLZ : hart und weich : geschnitten und gelacht Sr wirlfalmtise gekauft und zugestellt 33: Anträge an: <<-c) E. Zopp «ritsch. Wien, XVII., Kainzgasse 5, »17. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VHI., Hemalser Gürtel 20.

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