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Jüdische Korrespondenz · 1919-01-16 · 3 (16.1.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
3 (16.1.1919)
Date
1919-01-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 3 Jüdische Korrespondenz. Jugendbildner seinen Gegenstand vor. Mit Recht erwartet die sonst frohlockende Jugend ungeduldig den Schluß der Stunde. Auch die Kinder aus religiösen Häufen: haben kein Interesse für solch eine herzerquickende Religionsstunde und aus Abneigung gegen den Religionslehrer lernt die Jugend diesen Gegenstand freud- und herzlos. Auch in den Großgemeinden werden aus Jndifferentismus, vor allem aber aus Sparsamkeit die unfähigsten Elemente als Jugenderzieher angestellt. Seelische Jugendbildner, die doch die Knospen stählen sollen, gegen die Wellen und Wogen der Welt, sollten die besten Pädagogen sein. Unsere Vertreter haben durch die falsche Sparsamkeit Verrat geübt am Judentum. Dieser himmelschreienden Mißwirtschaft mancher unserer Vertreter, die Pflichten übernehmen, denen sie gar nicht gewachsen sind, verdanken wir die Massenaustritte aus dem Judentum. Diese Erscheinungen sind die Früchte dieser Saat. Ein überzeugter Jude wird in seiner vornehmen Gesinnung verschmähen, durch die Lüge der äußeren Taufe sich eine Aufnahme zu verschaffen in die hohe Gesellschaft, die auch den Täufling verachtet. — Die gegenwärtigen Täuflinge legen das Judentum ab, weil es ihnen eine Last war, sie haben es nie gekannt, nie geliebt, es nie lieben können. Diese Geschöpfe haben es sehr leicht, ihren Austritt aus dem Judentum, das heißt die Einstellung der Zahlung der Kultusbeiträge, zu erklären. Rur aus Zeitmangel oder auch aus Jndifferentismus haben sie es früher verabsäumt, den Taufschein, den Nachweis der Vollwertigkeit und der Ebenbürtigkeit, zu holen. Diese Täuflinge sind nicht charakterlos, sie handeln konsequent, sie legen das unbequeme Gewand ab. Charakterlos sind manche unserer Führer, die sich gar nicht um das Schicksal der Gemeinden kümmern. . Ein böhmischer Landrabbiner (im Nebenamte Heiratsvermittler) fordert sogar dir Mischehen. Zur Erhöhung der Weihe des Versöhnungstages fordert dieser Rabbiner einzelne Täuflingsfrauen zum Mitsingen im Tempelchore auf. Viele Rabbiner Böhmens haben kraft ihres Amtes von Graf Thuns Gnaden die Schechita beseitigt,^ als eine unzeitgemäße religiöse Einrichtung. — Bar jeder Verantwortung und jedes hebräischen Wissens tritt diese Mißgeburt von Rabbinern alle religiösen Vorschriften mit Füßeu. Und solche Männer, die eine Schmach für die böhmische Judenheit sind, sollen unsere Jugend dem ihnen fremden Judentum zuführen? Böhmen, die stolze Heimat jüdischen Könnens, wird durch diese zerfahrenen und verworrenen Verhältnisse dem Untergange nahe gebracht. Aus Mangel an geeigneten Kandidaten sind zahlreiche Landesgemeinden ohne jeglichen Funktionär, so daß weder Gottesdienst noch Religionsunterricht vorgenommen werden kann und unsere Führer warten, ja warten und — schweigen. Diese himmelschreienden Zustände in Böhmen zwingen mich, die allgemeine Oeffentlichkeit auf die unabsehbaren Folgen dieser Lage aufmerksam zu machen. So geht es nicht weiter! Die Prager Kultusgemeinde und Landesjudenschaft, deren Ehrenpflicht es wäre, für die Erhaltung des Judentums in Böhmen zu sorgen, schlafen den ewig bequemen Winterschlaf. — Das Prager Oberrabbinat und der Landeslehrerverband, deren Repräsentanten diese unhaltbaren Verhältnisse mit der größten Energie beseitigen wollten, mußten darauf verzichten, angesichts des Jndifferentismus der böhmischen Judenheit. Eheste Hilfe ist notwendig. Treten Sie, Führer Israels, endlich hervor aus dem Hintergrund der resignierten Tatenlosigkeit. Wir müssen unsere Stimme erheben. Wir müssen der drohenden Gefahr, die bereits um das Schiff brandet, festen Mutes ins Auge schauen! Wir müssen Mittel und Wege finden, um der Not der Landesgemeinden 311, feuern, um das schwankende Schiff des böhmischen Judentums in ruhige Gewässer zu. bringen. Wir haben aber keine Zeit zu verlieren. Wir sind Verräter, wenn wir diesen chaotischen Zuständen gegeniwer gleichgültig bleiben. Von unseren maßgebenden Führern und Persönlichkeiten, Plager Oberrabbinat, Prager Kultusgemeinde, Landesjudenschaft und Landeslehrerverband, verlange ich, wenn sie nur einen Funken des flammenden Ahawath-Jisroel haben, ein selbstbewußtes und warmes Auftreten für die Wiederbelebung des tradittonellen Judentums in Böhmen! Beachten Sie meine rechtzeitige Warnung und handeln Sie danach. Genug der Worte, wir wollen nunmehr Taten sehen! Im Interesse der Erhaltung des Judentums erkläre ich mich bereit, den Führern der böhmischen Judenheit Vorschläge zur Beseitigung der Uebelstände zu unterbreiten. _ Französische Ansprüche aus Palästina. Die in der französischen Kammer von Mchon abgegebene Erklärung, welche die Rechte Frankreichs in Palästina und den benachbarten Ländern scharf unterstreicht und nach Pichon ebenso auf historischen Traditionen, Uebereinkommen und Abmachungen wie auch auf den Aspirationen der Einwohner beruhen, die schon seit jeher ihre Freundschaft für Frankreich bezeugten und auf die Frankreich, nach Pichons ausdrücklichen Worten, unbestreitbare Schutzrechte, besonders im Libanon, Syrien und Palästina besitzt, haben nach »Jsrvisb-Lbrouide' in jüdischen Kreisen stark beunruhigend gewirkt. Das genannte Blatt schreibt: Es wird die Alliierten Regierungen nicht überraschen, zu hören, daß solche auf geheimen Abmachungen beruhenden Deklarationen besonders in jüdischen Kreisen eine gewisse Unruhe hervorriefen. Wir wissen nicht, ob und inwieweit diese, mit den zärtlich gehegten jüdischen Aspirationen im Konflikt stehen. Wir können nur hoffen, daß diese Abmachungen in keiner Weise dem Geist und Wortlaut der bekannten britischen Erklärung zuwiderlausen. Doch ist es schließlich die Friedenskonferenz, die auch hierin die Entscheidung fällen wird. Immerhin erwecken solche geheimen Abmachungen gewisse Befürchtungen und wäre eine autoritative Klarstellung sehr zu wünschen. Das Jüdische Preßbüro Wien meldet: Die französichen Blätter erwecken den Eindruck, daß die bereits gemeldeten Differcyzen zwischen Frankreich und England hinsichtlich der Abgrenzung ihrer beiderseitigen Ansprüche in Kleinasien weitgehender Art sind. Der .Glutin' und das »Journal des debats“ und andere Blätter entfalten eine rege Agitation für eine enge Verknüpfung der Republik mit Syrien; die Handelskammer der Stadt Marseille, welcher insbesondere an einem regen Handelsverkehr zwischen Marseille und Syrien gelegen ist, beruft einen syrischen Kongreß ein. Die Zeitungen lassen sich Sympathiekundgebungen von Syrern in Frankreich wie auch in Amerika telegraphieren, nach welchen die Syrer selbst verlangen, unter französisches Protektorat gestellt zu werden. Zu den Vorgängen in Posen. Der jüdische Volksrat in Posen veröffentlicht die folgende Darstellung der Vorgänge in Posen: „Die in den Berliner Zeuungen gebrachten Nachrichten über Judenverfolgungen in Posen sind stark übertrieben und großenteils unrichtig. Insbesondere ist die in das Berliner Taglatt übernommene Nachricht unrichtig, daß in Posen' ein Judenpogrom stattgefunden hat, bei dem eS zahlreiche Tote gegeben habe. Nichtig ist, daß bei den Haussuchungen nach Waffen durch nichts legitimierte Soldatentrupps Mißgriffe und auch Angriqe auf Personen und Sachen vorgekommrn sind, und zwar gegenüber der gesamten nichtpolnischen Bevölkerung. Es ist insbesondere unrichtig, daß während des Gottesdienstes ein Trommelfeuer aus die Synagoge eröffnet worden ist. Richtig ist nur, daß Soldaten in der Meinung, es sei von der Synagoge aus ein Schuß gefallen, mit einem Maschienrngewehr auf die Synagoge geschoffen haben. De: Vorfall spielte sich nicht während des Gottesdienstes ab; von der jüdischen Bevölkerung ist hierbei niemand verletzt worden. Den Uebergriffen bei den Haussuchungen ist leider der Zionist Georg Mathias zum Opser gefallen. Ein paar bewaffnet« polnische Soldaten waren unter dem Vorwand, daß aus einem Hause geschoffen worden sei, in seine Wohnung gedrungen, um nach Waffen zu suchen. Einer der Soldaten hat hierbei Wertgegenstände geraubt. Herr Mathias, der eben auS der Synagoge gekommen war, wandte sich an die vor feinem Hause stehenden Posten und beschwerte sich in begreiflicher Erregung über den Raub. Hierbei wurde er von einem der Soldaten einfach niedergeknallt. Er war auf der Stelle tot. Die Beerdigung üeS Erschaffenen fand unter außerordentlich starker Beteiligung statt. Polnische Behörden waren zu unserem Befremden nicht vertreten. Es sei noch darauf hinzewiesen, daß die Stimmung eines großen Teiles der Polen un8 gegenüber durchaus feindselig ist. Diese feindselige Stimmung tritt oft in recht unangenehmer Weise zu Tage. Insbesondere wird von den Polen daS Gerüche verbreitet, daß Juden auf polnische Soldaten geschoffen bähen, waS auch nicht in einem einzigen Falle einwandfrei festgestellt worden ist. Wir hoffen aber bestimmt, das eS dem'Einfluß der maßgebenden polnischen Persönlichkeiten, di» uns wiederholt >hre loyale Gesinnung versichert haben, gelingen wird, auf ihrer Landsleute im frieolichen Sinne einzuwirken. Insbesondere erwarten wir, dag die polnischen Führer den vielen unbegründeten Gerüchten, die unter den polnischen Maffon im Umlauf sind, energisch entgegentreten worden."- _ Vorstand der israelitischen Lultusgemeinde Wien. Z. 204/1918. Wien, 14. Jänner 1919. An die geehrte Redaktion der »Jüdischen Korrespondenz". Wien. Mit Bezug auf die in der Nr. 2 Ihres geschätzten Blattes vom 9. Jänner 1919 gebrachte Notiz, betreffend die Verschiebung der Predigt im Stadttempel von Freitag-Abend auf Samstag-Vormittag, wird um die Aufnahme der folgenden richtigstellenden Mitteilung ersucht: An jenen Freitag-Abenden, an welchen im Stadttempel Predigten festgesetzt waren, herrschte ein derartiger Andrang, daß sich alle durchführbaren Maßnahmen als nicht ausreichend erwiesen, die Sicherheit der Tempelbesucher zu gewährleisten. Im Einvernehmen mit Herrn Oberrabbiner Dr. Chajes hat daher der Kultusvorstand die Anordnung getroffen, daß die Predigt im Stadttempel statt wie bisher am Freitag-Abend, beim Morgengottesdienst am Samstag abgehalten werde. Hochachtungsvoll .Dr. Adler Dr. Rappaport Erster Sekretär. Erster Vizepräsident. Rundschau. (Pogrome und kei» Ende.) Wieder einmal langen von verschiedenen Seiten Pogromnachrichten ein. In Galizien sollen es diesmal die Städte S^dziszow und Tarnobrzeg sein, die den Schauplatz der Ausschreitungen bildeten. — Aber auch aus Tschechisch-Slowakien kommen ähnliche Nachrichten. In Prag wurden die Juden beschuldigt, das Attentat gegen Dr. Kramarz (?) arrangiert zu haben und es fehlte nicht an Hetzrufen und Drohungen. In Mährisch-Weißkirchen, Strakonitz, Caslau ufw. ist man auch zur Tat geschritten und hat arge Plünderungen vorgenommen. — Schließlich wissen gewisse Agenturen auch über Pogrome in der Ukraine zu berichten, die sich in Berditfchew und in Shitomir ufw. abgespielt haben sollten. Mit einem Worte: Pogrome und kein Ende! (Pogrome i» Litau«».) Dem Jüdff'chen Korrespondenzbureau Bern-Zürich wurve folgendes Telegramm übermittelt: „Die jüdische.Delegation für Belitza, Kreis Lida, meldet folgendes: Am II. Dezember überfielen 4» bewaffnete Banditen die jüdischen Einwohner von Belitza. Es wurden 4 Personen getötet, 5 schwer verwundet, 4 leicht verwundet und 31 Familien gänzlich geplündert. Der Schaden beträgt mehrere hunderttauiend Mark. Belitza ist seit dem 7'. Dezember vom Militär geräumt. Weitere Ucberfälle durch Banden werden in der gesamten Umgebung mit Grund befürchtet. Ausreichender Schutz durch deutsches Militär ist im Stadium der Räumung unmöglich. Die. litauische Judenheit richtet deshalb an die Ententemächte daS dringende Ersuchen, schleunigst für den Schutz der Bevölkerung zu sorgen. Ausführliches Protokoll mit Namen der Opfer folgt brieflich. Gez. Simon Rosenbaum, litauischer Unterstaarssekretär. (Fünf Millionen Dollar für dir jüdische» Kriegsopfer.) Die jüdischen Hilfskomitees in Amerika haben beschlossen, in einigen Wochen fünf Millionen Dollar für die jüdischen Kriegsopfer in Osteuropa und Palästina aufzubringen. Die Sammelaktion ist in vollem Gange. Alle jüdischen Organisationen beteiligen sich daran mit großer Energie. (Konferenz der Orthodoxe» in Warschau.) Die Konferenz der Orthodoxen in Warschau verlangt in ihrer Resolution u. a. die Anteilnahme der religiöien Juden auf dem Friedenskongreß bei denjenigen Beratungen, bei welchen die Paläslinafrage behandelt werden wird. Die Konferenz beschloß «ine Registrierung derjenigen Juden, die sich nach Palästina begeben wollen, Vornahme emer intensiven Kolonisationsarbeit auf genossenschaftlichen Grundlagen, Gründung eines Palästtnafonds, um Juden, die kein eigenes Kapital besitzen, die Reise nach Palästina zu ermöglichen, Gründung einer Agrarbank in Palästina. Entsendung einer Delegation der Orthodoxen nach Palästina, um Beziehungen mit den dortigen Orthodoxen anzuknüpfen. Gründung entsprechender Institutionen. um die orthodoxe Jugend Handwerk und Ackerbau zu lehren. Di« Palästinaarbeit führt die orthodoxe Partei selbständig nach den Weisungen de» „Rateder Rabbiner". (Take Jouescu zur rumänische» Judenfrage.) Wie das Stockholmer Jüdische ttorrespondenzbureau telegraphisch meldet, erklärte Take Jonescu, däy jeder Jude, der nicht Untertan eines anderen Landes sei, in Rumänien gleich» Rechte besitzen sollte. (Wenn es nur wahr wäre!) (Jüdischer Haudwerkerrat in Warschau.) Nach „Moment" ist in Warschau ein „Jüdischer Handwerker»

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