Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 3 (16.1.1919)
- Date
- 1919-01-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Korrespondenz. Nr. 3 rat" gegründet worden. Auf der Gründunasvcrsammlung waren 20 Vereine mit 5000 organisierten Mitgliedern durch 40 Delegierte vertreten. Der Rat bezweckt «inen Zusammenschluß gegen die antisemitische Taktik. (Der jüdische Farmerkougreß in Nordamerika.) In Newqork fand die zehnte Jahreskonferenz jüdischer Farmer statt. Die Berichte konstatieren einen großen Fortschritt des Genossenschaftswesens. Die Konferenz beschloß die Errichtung einer Marktzentrale in Newyork, die Abschüttlung jeden Einflusses durch die Jewish-Cotonisation Association, der jüdischen, aus dem Vermögen des Baron Hirsch bestehenden Kolonisations-Gesellschaft, ferner die Ermöglichung der Niederlaflung von jüdischen Emigranten auf den jüdischen Farmen Nordamerikas und die Herausgabe einer eigenen Zeitung. (Aus Palästina.) „Daily News* meldet, daß die Eisenbahnsahrt El-Kantara <am Suez-Kanal) bis Ramleh 13 Stunden dauert. Der Warenverkehr geht von Alexandria auf dem Seewege nach Jaffa. Ein Transitzoll wird von Aegypten nicht eingehoben. Die einzelnen Frachtstücke sollen über das Gewicht eines Meterzentners nicht hinausgehen. (Jüdische Immigration iu Japan.) In Iokohama und m Kobe haben sich während des Krieges jüdische Gemeinden gebildet. Diese sind zum Teil durch die durch den Krieg hervorgerufenen Handelsmöglichkeiten entstanden, und haben sich zufolge der unruhigen Zustände in Rußland und durch die vor den Bolschewiki besonders aus Sibirien geflüchteten Juden besonders in der letzten Zeit vergrößert. In Kobe, wo sich ein jüdisches Zentrum gebildet hat, besteht schon eine Synagoge. Von dieser Gemeinde, die sehr rüstig in ihrem Aufbau fortschreitet, ist bereits eine Einwanderungsgesellschaft organisiert worden, um weiteren jüdischen Familien aus Rußland die Niederlaflung zu ermöglichen. In diesen Bestrebungen werde,: sie von ihrer Brüdergemeinde in Yokohama redlich unterstützt. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Kobe rekrutieren sich größtenteils aus gesetzestreuen russischen Judenvereinsnachrichten. Humanitärer Verein „TifcrcS Bachurim", Schmuck der Jugend. 2. Spendenausweis. Auf Grund unseres Aufrufes, in welchen wir unseren Mitgliedern und Gönnern den Vorschlag machten, statt ihren jährlichen Beiträgen unserem Vereine eine einnialigc Spende zu widmen, deren Zinsenerlös den jährlichen Mitgliedsbeitrag deckt, sind uns nachstehende Beträge in dieser Woche zugekommen. Leop. Winholz K 200 —, A. W. 200 — Leop. Bauer 200—, Heinr. Landau 200'—, Jul. Hofbauer 200 —, Max Hofbauer 200-—, Beruh. Hofbaper 500'—, Josef Schick 200 — H. K. 100 —, S. Gestcttner 200—, S. E. 200 -, El. Deutsch 500-—, Bela Deutsch 200 —, Rich. Grünwald 200 —, Leop. Ungar 200—, M- Glückselig 200'— Wilh. Kritzler 300 -, Berth. Stroh 100—, zusammen K 3900 -; 1. Spendenausweis K 4850 —, 2. Spendenausweis 3900 -, zusammen K 8750 —. Wie«. Die für den 15. Schewat in Aussicht genommene Schulfeier der „Jesod Hathora" der Adas Jisroel mußte wegen Beleuchtungs- und Beheizungsbejchränkungen verschoben werden. Der Baalschem von Lhelrn und sein Golem. Neue Golem-Sagen. — Ausgewählt und bearbeitet von C h a i m Bloch, Delatyn. Wir wandrrn bcn heiligen Weg unserer Leiden, Bo» Prüf»»« und Pnifun« zur Läulcrung, Wir ewig »ekricgle und ewig Besiegle, Wir ewig Acrstrickle und ewig Befreite, Wir ewig Zerstückle und ewig Erneute, Wir aller Völker Spiclball und Spott, Wir einzig Heimaldlosen der Erde, Wir wandern iu alle Ewigkeiten, Die Letzlgcbliebencn unindlichcr Schar, Heimwärts zu Gott. Stephan Zweig, .J-remiad". Morbemeriluug. Die Aufnahme, welche meine in der Ocsterreichischen Wochenschrift unter der Ueberschrift: „Aus dem Leben des hohen Rabbi Löw" erschienenen Sagen vom Prager Golem fand'), ermutigt mich, nun auch die Sagen vom C h e l m e r Golem zu veröffentlichen. C h e l m, etwa 70 km östlich Lublin gelegen, hatte nicht nur seine Narren, die man weit und breit, wo jidische Zunge klingt, kennt, sondern auch seine Heiligen und Gelehrten. Ich könnte gleich hier ein Dutzend mit Namen nennen. Einer dieser Heiligen-Gelehrtcn war Rabbi EI i e B a a l s ch e m von Chelm (geboren 1514, gestorben 1583), ein Zeitgenofle des hohen Rabbi Löw von Prag. Die jüdische Chronik nennt ihn „Mekubel" und „Gaon", d. h. Kabbalist und Genie. Bei allen Kulturvölkern der Erde ist der Boden, den ein Großer betrat, geweihter Boden, das Haus, das er bewohnte, ein Nationalhciligtum; Gedenksteine und Tafeln werden zur Erinnerung angebracht: hier erblickte er das Licht der Welt, hier verbrachte er angenehme ) Es gingen mir unter anderem von folgenden Persönlichkeiieu Anerkennungen zu: Oberrabbiner Doktor Güdcmann s. A., Dr. B. Cohn (Bern), Dr. H. L. Held, Herausgeber der „Kritischen Rundschau" (München), Rabbiner Dr. M. Lemin (Nikolsburg). Stunden, hier erlebte er hohe Jdylleg der Gastfrlund fchaft usw. Von einem jüdischen Großen ist schwer zu sagen: er habe das Licht der Welt erblickt; man könnte eher sagen: er habe die Finsternis der Welt erblickt, denn er sei im G o l u s geboren und Verfolgungen und Verleumdungen stehen ihm bevor, er verbrachte auch keine vergnügte Stunden, er verbrachte sein Leben in heiliger Abgeschiedenheit. fern von der Welt der Lüge und des Truges. Rabbi Elie gehörte einer fremden, dem Kulturmenschen noch heute nicht genug erschloffenen Welt an. Er wurde unter jenen Menschen geboren, denen des Lebens Druck und Qual unerträglich wurde, daher sie sich zur Kabbalah') flüchteten und hier einen unerschöpflichen Dorn der Seelenstärke gewannen, die sie über das Alltägliche hob und ihr Lebenselement geworden ist. Diese Wett ließ sich von der Lust des Lebens nicht beirren und von der Gewißheit des Todes nicht einschüchtern. Diese Welt lebte und webte in der Mystik, welche nach Vertreibung der Juden aus Spanien ihre Blüten in Polen und in der Ukraine sproflen ließ. Schriftliche Daten in seiner Lebcnsgeschichte sind nicht vorhanden, und findet man seinen Namen nur hie und da tn manchen rabbinischen Werken angeführt. Die hier folgenden von mir gewählten und bearbeiteten Geschichten leben im Volke und jeder polnische Jude, den man mit Recht als Meister der Sage bezeichnen kann, erzählt sie mit Vorliebe. Und dieses Erzählen ist einfach unerschöpflich, denn bei jedem Erzählen empfindet er ein neues Erlebnis. Ein Chelmer Jude, in Friedenszeiten Schächter in einem polnischen Dorfe, schrieb die Sagen nieder, im hebräischen Texte in verworrener Form und ließ sie im Jahre 1913 in Druck erscheinen. Der Krieg führte uns zusammen und das schlichte Heft kam mir in die Hände. Ich habe mich bestrebt, dem Wortlaute des Originales möglichst nahe zu bleiben. Von Rabbi Elie und seiner Schöpfung erzählt der Bibliograph Ch. I. D- Asulai (starb 1808) in seinem „Lexikon der berühmten Namen" (Abt. 1, 8 163): „Rabbi Elie Baal schein, der im Buche Jezirah kundig war, schuf einen Menschen- Als er aber sah, daß dieser ins Ungeheure wuchs, überkam ihn die Furcht, daß das Wundergeschöpf die Welt schädigen werde, daher nahm er den Schem von seiner Stirne und das Geschöpf war wieder in Staub verwandelt." Sein Nachkomme, der große und gefeierte Rabbi Zwi-Hirsch Askenasi, Oberrabbiner von Amßerdam usw. (starb 1718) behandelt in seinem Responsenwcrke „Chacham Zwi" Rr. 93 — mit „Scheilas Jawez" II Nr. 82 — ob ein durch das Buch Jezirah geschaffener Mensch zu Minjan beim öffentlichen Gottesdienste gezählt werden darf, wobei er anführt: „Und so hat auch mein Großvater, der Gaon Rabbi Elie von Chelm, einen Menschen nach dem Buche Jezirah ge- Rabbi Elie von Chelm war ein Meister im Traumdeuten und diese Meisterschaft überging auch auf seinen Nachkommen Rabbi Jakob von Emden — der Sohn des obgenannten „Echacham Zwi" — welcher in dem von ihm herausgegebenen Gebetbuche dem Traumdeuten ein ganzes Kapitel widmete. Rabbi Elie starb in Chelm im Jahre 1583 und fand in seiner Heimatsstadt Chelm die ewige Ruhe. Wenn heute der jüdische Reisende — und im Laufe des Krieges waren es Tausende — auf den Friedhof in Chelm kommt, ist der Grabstein Rabbi Elies das erste, was ihm in die Augen springt. Noch heute pilgern Tausende Juden zu seiner Ruhestätte und verrichten dort Gebete zu Gott. Der Grabstein lautet: „Hier ruht der Rabbiner, der Heilige, der Weise in der geheimen Lehre und des Flüsterns Kundige, der Fromme, der Bescheidene Rabbi Elie genannt B a a l s ch e m bestieg den Himmel 5343, sein Verdienst möge uns und alle Juden von allen bösen Strömungen die auf die Welt zu kommen sich drängen, schützen." Der Text ist heute nicht mehr gründlich lesbar. Ich habe es unterlaflen, hier manche Bemerkungen zum Verständnis der Golemlegende zu bringen, weil solche schon den Sagen vom Prager Golem beigegeben Im August 1918. 1. Hkabbi ßkie Aaakschem von ßhekm. In Chelm lebte ein sehr frommer Mann mit Namen Elie. Er war nicht nur Meister im Talmud, sondern er war auch in der Kabbalah tief bewandert, und kein Rätsel in der geheimen Lehre blieb ihm verschloffen. Daher nannten ihn die Leute „Baalschem", d. h. Mann des Gottesnamens. In Zeiten der Not und der Bedrängnis kamen die Leute, wie es bei den polnischen Juden nun Brauch ist, zu ihm. daß er, der Heilige, für sie im Himmel Gnade und Erbarmen erwecke. Nie blieb seine Fürsprache unerhört. Den Juden in Polen erging es damals sehr schlecht. Denn sie hatten von den polnischen Edelleuten und Gutsherren vieles zu ertragen. Jüdische Töchter wurden ') Eine gründliche Abhandlung über die Kabbalah — das Wort wurde oft mißverstanden und mißbraucht — findet sich in meinem zweiteiligen Werke: „Die Gemeinde der Chassidint", welches s. G. w. in nicht ferner Zeit in Druck erscheinen wird. durch Betörung oder Gewalt entführt, jüdische Pächter schmachteten in Gefängniffen, tödliche Ueberfälle auf Juden häuften sich, hie, und da tauchte auch die Ver». leumdung eines Ritualmordes, eines Hostienkaufes und dergleichen auf. Ein Herrscher im Lande fehlte und die Edetleute regierten daher nach Willkür. In einer Nacht, da Rabbi Elie erschöpft von der Spannung seines Geistes sich für einige Stunden auf sein Lager warf und in tiefen Schlaf verfiel, hatte er einen seltsamen Traum, der tief an seiner Seele rüttelte. Er träumte: Eine größere Schar Wölfe trieb vor sich eine hirtenlose Schafsherde, schon öffneten sie die gierigen Mäuler, um die Beute zu verzehren. Da hörten sie das Brüllen eines Löwen. In ihrer Angst ließen sie die Schafe unberührt. der Löwe aber, siehe das Wunder, führte die Schafe auf die Ebene, ihrer Weidestätte, hinaus.- Rabbi Elie erwachte. Der Traum schien ihm ganz. unklar. Eine Schafsherde ohne Hirte ist das jüdische Volk tn der Verbannung, eine Beute wilder Horden, die es freffen wollen, so sann Rabbi Elie. Aber er träumte so undeutlich, daß er fühlte, die Offenbarung sei ihm vorenthalten worden. Nun hatte Rabbi Elie eine seltsame Art, Träume und rätselhafte Gedanken zu lösen. Er schlug ein beliebiges Buch auf. In der ersten Zeile der aufgeschlagenen Seite schaute er wie in einem Spiegel hinein und wußte über das ihm verborgene Ding Bescheid. Denn er hütete-sich, mit den heiligen Namen zu operieren und suchte in den heiligen Buchstaben die Offenbarung. Fand er beim ersten Auflchlag keine Klarheit, dann wischte er «in Blatt weiter und so fort bis zum siebenten Male. Am besten benützte er zu dieser Handlung ein Fünfbuch. ein Psalmbuch oder ein Gebetbuch. Nun nahm er das Fünfbuch in die Hand. Die aufgeschlagene Zeile lautete: und hast meine Töchter entführt, als sie durchs Schwert gefangen wären." (Fortsetzung folgt.) Oberkantor (swx-> jtn) wird im Bethause der „Adas Jisroel“- (Schilfschul) aufgenommen. Erforderlich ist entsprechende fachliche, erstklassige Befähigung. Nur solche Bewerber können Berücksichtigung finden, die bisher ausschließlich in streng orthodoxen Bethäusern tätig waren. Gesuche mit dem Nachweise der bisherigen Verwendung und des Familienstandes sind an den gefertigten Vorstand zu richten (Gesuchsbelege in Abschriften). Spesen werden nur dem Aufgenommenen vergütet. (3_3) Wien, 18. Dezember 1918. Der Vorstand der „Adas Jisroel“ (Schiffschul) Wien, II., Große Schiffgasse 8. Jakob Fuchs Philipp Back Sohriftführer. Obmann. ERSTER SERRET9R WIRD GESUCHT. -UW Erforderlich ist streng religiöse Lebensführung, Repräsentationsfahigkeit, stilistische Gewandtheit (deutsch und tunlichst auch hebräisch) und Kenntnis des jüdischen Gemeindewesens. Gehalt nach Uebereinkommen. Offerte mit Angabe der bisherigen Verwendung und des Familienstandes sind an den gefertigten Vorstand zu richten. (3_3) Wien, 18. Dezember 1918. Der Vorstand der „Adas Jisroel“ in Wien, II., Große Schiffgasse 8. Jakob Fuchs Philipp Back Schriftführer. Obmann. KONKURS. Der Bethausverein, Wien, XIV., Storchengasse 21, will einen geschickten Bai Tfiloh, zugleich Koreh, bessere Kraft, aufhehmen. •Derselbe muß über 40 Jahre alt und orthodoxer Richtung sein. Offerte nur schriftlich mit der Erwähnung früherer Verwendung nebst Dokumenten. Probevortrag nach vorheriger Bestimmung unerläßlich. Aufnahme und Gehalt späterer Besprechung Vorbehalten. Offerte an den Vorstand. Philipp Hofbauer Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschaffs-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hernalser Gürtel 20.