Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 406)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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381 im Auge haben, keine Absicht, keine Zielsetzung für die Zukunft, keinen Geiz mit ihren Seelenkräften. Die gelangen an die Wahrheit, ans echte Gottvertrauen. Und es gibt andere, deren Willen nicht weniger ehrlich ist, die aber, wenn sie sich um sich selbst mühen, die Konsequenz, das Morgen, irgend ein Ziel im Auge haben. Die bekommen dann vor dem Morgen Angst und es steigen Zweifel in ihnen auf, ob der Weg, den sie gehen, auch zu ihrem Ziele führt, sie verlieren alle echte, unbedingte, voraussetzungslose Kraft, sie verzetteln sich. An Jakob und seiner Begegnung mit Laban wird uns das so recht klar. Jakob will, von seinem alten Dienstherrn eingeholt, ihm ״morgen durch Gott erweisen“, wer recht hat. Kein Zweifel, daß seine Absicht, Laban von der Gottesgerechtigkeit zu überzeugen, redlich, unselbstisch war. Kein Zweifel, daß es sich da um einen Akt der Bekehrung handelte. Trotzdem sagt der Midrasch: ״Morgen willst du es ihm beweisen? Weißt du, was morgen sein wird? Morgen wird Dina, deine Tochter, aus deinem Hause gehen“. Das heißt: Weil Jakob eine Gegenwartsaufgabe hatte, weil er heute in sein Vaterhaus zurückkehren soUte und aus freiem Entschluß, um zu experimentieren, zur Demonstration, erst Laban bekehren wollte, das Heute gegen das Morgen vertauschte, meinte, ״Absichten“ haben zu können, — ist er gestraft worden. Mit der Schäudung seiner Tochter.“ Wir erinnern uns an ein Wort aus Slobodka über den gleichen Gegenstand und stellen fest: Slobodka sprach von jenem Midrasch, der den Fall der Dina als eine Strafe dafür ansieht, daß Jakob seinem Bruder eine Bitte abschlug. Nawardok spricht von dem anderen Midrasch, der den Fall der Dina Strafe dafür sein läßt, daß Jakob glaubte, Menschen dürften etwas ״erreichen“ wollen. Die Thema wähl als solche ist natürlich Zufall, aber die Art der Interpretation — typisch. Daß Nawardok Gedanken predigt wie: man darf nichs ״durchsetzen“, nicht etwas planmäßig und langsam erarbeiten wollen, — man muß sich ganz und gar der Gegenwartsaufgabe hingeben, ohne jeden Ausblick auf ein Morgen, man muß vollkommen untertauchen in dem, was der Moment gebietet, man muß auf alle Konsequenz vergessen, — das ist für Nawardok programmatisch. Das ist von dem Manne gesprochen worden, der, wie