Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 405)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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380 vor dem sechsten Jahr, kommt doch die Sorge ums siebente noch nicht auf. Es ist aber so, daß der Mensch nicht etwa im sechsten oder siebenten Jahr, erst wenn sie akut wird, die Frage stellt, sondern im vorhinein, bei der ersten Ernte des Turnus. Schon da beginnt er, für das eine Brachjahr zu sorgen, für es zu sparen und zu geizen. Sobald sie nur ins Land kamen und zum ersten Mal säten, begannen die Kleingläubigen zu fragen: Und was werden wir im siebenten Jahre tun? Und die s 0 fragen, sind gerade nicht die sogenannten ״Bösewichter“, sondern die Frommen, die in Wahrheit das Gebot erfüllen wollen und nur glauben, — es ginge nicht, es fehle ihnen die Möglichkeit. Ihnen befiehlt die Tora : Sitze ruhig und iß dich satt, spare nicht, sorge nicht! — Der ganze Sinn dieses Brachjahres, das ich anordne, ist: Israel zum Gottvertrauen erziehen. Wenn es nun aber so ist, sollten wir annehmen, daß die Erfahrung des ersten sechsten Jahres, in dem ja die Verheißung wahr wird, in dem es sich zeigt, daß der Feldertrag reich genug war, um die Schmita zu überleben, die Menschen klug macht; sie würden dann ein zweites Mal schon nicht mehr fragen: was sollen wir essen. Also daß man meinen muß, dieser Vers habe nur einmal praktische Bedeutung, nur einmal werde Israel im Zweifel sein. Aber so ist es nicht. Gott gibt nur, — schon die Gemara sagt das, — wie der Schatten. Zeigt man ihm einen Finger, dann wirft er im Reflex einen Finger zurück, zeigt man ihm eine, ganze Hand, spiegelt er eine ganze Hand wieder. Nur in dem Maß, in dem man sich auf Gottes Walten verläßt, kann man auch von ihm Hilfe erwarten, und wer also kleingläubig am Mehrertrag des sechsten Jahres zweifelt, wird in ihm auch das zugesagte Plus ah Emteertrag nicht einbringen. Und er wird aus der Tatsache, daß er ohne seine Ersparnisse im siebenten Jahr verhungert wäre, schließen, er habe gut daran getan, der Tora und ihren Zusiche־ rangen zu mißtrauen. Er wird weiter sparen und weiter enttäuscht werden, er wird sich weiter nur ganz vage auf Gott verlassen uind von ihm nur im kleinlichen Maße seines Vertrauens Vertonen erfahren. So aber wie beim Brachjahr ist es mit aller Weg- und Wahrheitssuche. Es gibt Leute, die weiter nichts als das Heute