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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 403

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 403)
Language
German
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378 Es sind in diesen Elulwochen Tausende, die Petljura am Leben gelassen batte, gestorben. Es herrschte Cholera. In den Jeschiwoth fielen sie wie die Fliegen. Nur zwei Schüler und er, Rabbi Josel, hielten sich aufrecht und pflegten die Kranken. Und wo einer nur so weit wieder zu sich kam, daß er hören konnte, was man zu ihm sprach, hat Rabbi Josel ihm vom Mussar geredet. In diesem, seinem letzten Elul, hat er jedem von den Schülern das Versprechen abgenommen, sie würden der Zeit nicht achten, und ihr ganzes Leben ״für die Wahrheit kämpfen“. In diesem letzten Elul, wo, wenn vier einen Toten aus der Stadt tragen wollten, man am nächsten Tage fünf Leichen um die Bahre liegend fand, in diesen Wochen ist er von Jeschiwa zu Jeschiwa gegangen und hat den Nawardokern ein für allemal die Über- Zeugung eingepflanzt, solange sie lernen, könne ihnen nichts passieren. Hier ist nicht der Ort für eine Schilderung dieses ukrainischen Hintergrundes von 1919, vor dem sich das grandiose Schauspiel des Nawardoker Festhaltens am Lernen abgespielt hat. Hier werden alle diese Tatsachen nur erwähnt, um verständlich zu machen, weshalb Nawardok so wurde, wie es heute ist. Die heute Nawardok repräsentieren und leiten, haben, als in Kiew keine Stätten zum Lernen, kein Privathaus und kein Beth-Hamidrasch mehr war, sich in den Typhus-Pavillon des städtischen Krankenhauses gesetzt und gelernt; da hineinzugehen hatten die Soldaten aller Heere Angst. . . Die heute Nawardok leiten, sind fast alle an jenem Morgen dabei gewesen, als die Bolschewiki 170 junge Menschen mitten im Gebet aus der Jeschiwa holten, um sie wegeif Konterrevolution zu erschießen. Sie haben damals die Tfillin für eine Weile vom Kopf genommen, aber im Kasernenhof an die Wand gestellt, vor ausgerichteten Gewehren, haben sie zunächst — — das Gebet beendet. Ein paar von den 170 sind wirklich erschossen worden, die anderen aber, für die den Bolschewiki die Kugeln zu schade waren, haben von dort her, von diesen paar Jahren Ukraine, jenen wilden Todesmut, um dessentwillen man sie in der Mussarwelt für verrückt hält. Die, die heute Nawardok leiten, haben damals, vor dreizehn Jahren, als Rabbi Josel in Kiew starb, an seinem Grabe nichts anderes getan und zu tun gewußt, als jeder für sich die Ausrodung irgend einer bestimmten schlechten Eigenschaft zu geloben. 1

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