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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 402

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 402)
Language
German
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377 ״Die Gemara sagt: ״Der Gemäßigte ist vierhundert Goldstücke wert,“ und ich sage: ״der Eiferer ist mit Millionen nieht zu bezahlen«“ ״Wer nicht alles Morgen für ein Heute geben kann, muß dazu kommen, alles Heute für ein Morgen zu verschwenden.“ ״Wer sich um diese Welt müht, ist wie einer, der in der Bahn sitzt und mit seinem Finger an die Waggonwand drüekt, damit man schneller fährt.“ Solche Aussprüche aber machen nur die Anschauung deutlich, nicht den Menschen, nicht seinen Elan; der drückt sich bei Rabbi Josel, — im Gegensatz zu den anderen Mussarlehrern, — in seinem rein äußerlichen Leben aus. Darin, wie er die vierzig Jahre nach seiner Heimkehr aus der Einsamkeit von Stadt zu Stadt gefahren ist und mit jedem Kleinsten in seinen Jeschiwotb zusammen gegen das Allzumenschliche angegangen ist. Für diesen Kampf, wie für das Gesamt der Riesenorganisation, die ans den vielen Jeschiwoth im Laufe der Zeit entstanden war, hat er besondere, in keinem Mussarsystem sonst übliche Institutionen geschaffen: Beichte, öffentliche Selbstanklage, gemeinsamen Kriegsrat von Freunden gegen den bösen Trieb, Anwendung von Machtmitteln, um sich zu demütigen, sich Nächstenliebe beizubriogen, sich schweigen zu lehren, sich den Entschluß der Umkehr abzuringen. Als später der deutsche Vormarsch ihn von seinen litauischen Jeschiwoth trennte, bestanden, kurz hintereinander gegründet, Nawardoker Zentraljeschiwoth in: Rostow am Don, Charkow-, Homel, Tschernigow, Kiew, Rogatschow, Mohilew, Bobroisk, Masir, Reschisza, Berditschew, Baranowitz, Noworodek, und rings um sie alle, in den Dörfern und Dörfchen, ungezählte Tochterjescfiiwoth. Alle bei Krieg und Hunger ins Leben gerufen, alle an Orten, die nie vorher Lehrhäuser gehabt haben. Dann ist der Krieg dort von den Petljura-Pogromen abgelöst worden. Rabbi Josel saß damals in Kiew. Und sie erzählen, er sei der einzige Mensch gewesen, der bei ausgestorbenen Straßen, bei abgeschnittenen Verkehrswegen am Rosch-Haschana in Kiew war, am Sabbath darauf in Hornel und am Jom-Kippur in Charkow. Er konnte seine Jeschiwoth nicht lassen. Man erzählt: Als keine Briefe mehr gingen, hat er den Schnlern Telegramme geschickt: ״Tut Tesehuwa!u Oder: ״Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Oder: ״Wenn nicht du, wer sonst?“

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