Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 401)
- Language
- German
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m Als er dann wieder in den Kreis um Rabbi Israel kommt, ist er von den anderen Schülern wesentlich damit unterschieden, daß er gezeigt hat, er weiß in allem bis an die letzte Konsequenz des Mussar zu gehen. Er kann es deshalb auch länger als die anderen bei Rabbi Israel aushalten; noch bis zu jener allerletzten Lebensperiode, in der Rabbi Israel einen Generalangriff aufs eigene Ich für die einzige Rettungsmöglichkeit hält. Er steht bei Rabbi Israel noch, als die Arzte achselzuckend Hypochondrie konstatieren. Alle anderen sind früher abgebogen und haben sich Erkenntnisse aus Teilen von des Rabbi Leben gezimmert, Rabbi Josel begleitet ihn bis ins Leere hinein. Denn dort, wo Rabbi Israel zuletzt steht, wo er in Wochenlanger Agonie nichts anderes zu schreien und zu betteln vermag, als: ״Nimm das steinerne Herz aus unserem Fleisch...!“ da scheint es so, als hätten noch bei ihm alle Hilfsmittel und Umwege des Mussar versagt, als wären auch jetzt noch die Wurzeln des Übels in seiner Seele nicht ausgerottet, da sieht es so aus, als könne Mussarlernen allein nie genügen, als müsse das Ich mit Gewalt ausgerodet werden. Das ist kein Weg mehr in gemäßigte Taktik, in ruhige Bahnen und bewohnte Gegenden. Deshalb ist Rabbi Josel nach des Meisters Tod wieder in’ die Einsamkeit, — beim Städtchen Saschen für drei Jahre in die Dichte der polnischen Wälder, und später woanders in Kohlenbrennerhütten — gegangen, sieben Jahre lang, ein- und abgeschlossen. Dort, im endgültigen, schweigsamen, verbissenen Zubodenringen des eigenen Ich sind ihm seine Löwenkräfte gewachsen. Vierzig Jahre lang hat er mit ihnen gegen sich, gegen die Welt, gegen Passivität und gegen Kompromiß angekämpft. Vierzig Jahre lang hat er in Nawardok dreihundert Getreue sich erzogen, Jeschiwoth gegründet, gerade wo man ihn vertreiben wollte, in Polen, in der Ukraine, in Weißrußland, in der Krim, vor dem Krieg und im Krieg, immer und immer wieder Jeschiwoth unA Menschen den Städtchen abgerungen. Er ist ein unerbittlieber Mensch gewesen, ein angriffslustiger, verwitterter Kämpfer. Er pflegte zu sagen: ״Das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann, ist; dass er so bleibt, wie er ist.“