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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 399

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 399)
Language
German
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374 ägogik unbegabten Eltern, der in Telsch nichts will als dies: sein Pensam Menschwerden absolvieren. Wenn er hier entlassen wird, als Fünf und zwanzigjähriger, wenn Chajim-Jossel die Arbeiten Nächstenliebe, Demut, Bösrede, Triebbändigung, Frömmigkeit und Gelassenheit drei-, viermal widerholt hat, dann schlägt ihm irgendein Heiratsvermittler ein Mädchen vor mit einem Anteil an einem kleinen Kramladen, irgendwo in einem verlorenen Städtchen, und Chajim-Jossel sagt Ja. Und dann steht er Jahr aus, Jahr ein, hinter seinem Ladentisch. Die Schwiegermutter schimpft, er tauge nichts fürs Geschäft und sei unbeholfen. Die Frau kneift und kriegt jedes Jahr ein Kind. Chajim-Jossel schweigt. Chajim-Jossel ist ein Mensch. Manchmal, wenn ich an einen der hundert Chajim-Jossels denke, die ich kenne, wenn sie vor mir stehen mit ihren kleinen, durchgeschwitzten Sammethütchen und wolligen, struppigen Bundbärten, wie sie Dienstmädchen und betrunkenen Bauern ein paar Pfund Zucker zuwiegen, dann und wann einmal einen Brief um eine neue Lieferung Konservenbüchsen schreiben, wenn ich daran denke, daß sie zur Ausübung eines solchen Amtes solches Studium hinter sich gebracht haben, wenn ich daran denke, wie sie sich flir die graue Armseligkeit ihres Kramladens vorbereitet haben,— dann möchte ich aufstehen, hingehen und den Tausenden namenloser Chajim-Jossels den Staub von den Füßen küssen. Nawardok. Neben den Chajim-Jossels, neben Telsch, Badin, Keim und Slobodka, über ihnen allen — Nawardok. Der Name ist in unserer Literatur noch nicht häufig genannt worden. Aber wo es geschah, da mit deutlicher Distanzierung, wenn nicht gar mit Verachtung. Die wenigen aber, die ohne Ablehnung von Nawardok sprechen würden, — schweigen. Wer aus eigenem, exaltiertem Erleben weiß, was der Name bedeutet, nennt ihn nur ungern, mit jener Scheu, die vor den allerpersönlichsten Erschütterungen den Mund schließt. Indem ich das sage, will ich mich für dies Kapitel mehr

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