Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 398)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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§?3 Im Semester vorher, vor der Bösrede, hat Chajim-Jossel, wenn ich mich recht entsinne, — Demut ״gearbeitet“. Es war, so viel ich weiß, ein leichtes Studium. Jetzt aber im Winter ist die geeignete Zeit für Nächsten* liebe. Es gibt so viel alte Leute, die sich ihr Holz nicht selbst zerspalten können, so viel zugefrorene Brunnen, die man authacken muß, 80 viel erkältete Krämer, denen man Handlangerdienste tun kann, daß Chajim-Jossel übergenug Übungsstoff hat. Er kann den ganzen Tag Nächstenliebe arbeiten. In dem Winter gar, von dem ich spreche, hat Chajim-Jossel besonderes Glück: Typhus bricht aus. In jedem Haus ist ein Zimmer, in das niemand hineingehen will, weil da ein ansteckend Kranker liegt. Und jeder Kranke muß einmal am Tag das Bett gerichtet bekommen, jedem muß man ein paar Neuigkeiten erzählen, ihn aufzuheitern suchen, jedem muß man das Thermometer unter den Arm stecken und Medizin geben,. . . kurz Chajim-Jossel hat Arbeitsmaterial, wie man es sich reicher garnicht wünschen kann. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er einen Schwerkranken ans dem Bett hebt und auf ein paar Stühle bettet, ihm die Kissen ordnet, ihn wieder zurücklegt, Umschläge macht, das Fieber mißt, während die Mutter des Kranken an der Tür steht und nicht wagt, hereinzukommen, aus Angst vor Infektion. Ich sehe ihn Exkremente aus dem Zimmer tragen mit einem Gesicht wie Priester es haben, wenn sie Weihrauchpfannen schwingen; mit einer verbaltenen, in sich versunkenen, hingebenden Liebe. Stilles Gehobensein ist in seinen Bewegungen; denn was er tut, ist ja nicht nur Studium und Arbeit, sondern auch noch, — ein klein wenig und sich selbst kaum zugestanden — Mizwa, selbstlose Tat, Bettung eines Menschen in Israel. . Chajim-Jossel ist ein ganz schlichter Mnssar-Schüler. Er tnt, was ihm in der Massarstunde von den Büchern und von den Melodien eingegeben wird. Er denkt nicht viel darüber nach. Er ist keiner von denen, die einmal eine Revolte machen werden oder ausziehen, eine fremde Jeschiwa für die eigenen Ideen zu erobern. Chajim-Jossel ist ein Namenloser aus der Masse, der Sohn eines namenlosen Schneiders, das Kind von zu aller Päd-