Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 396)
- Language
- German
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371 nur die Plage des Wunsches vom Mussar bekommen, sondern vorher noch von der Jeschiwa eine — Überzeugung. Telscher haben einen ״Standpunkt“. (Weswegen sie alle als kompromißf eindlich sehr in Verruf gekommen sind.) Wesentlicher Unterschied aber zwischen Keim und'Telsch, — letztlich also auch Slobodka, — ist, was in dem hier wiedergegebenen Schmues überall anklingt: daß man sich nicht verblüffen läßt. Während andere Jescbiwoth das Erstaunen, die Vergrößerung beinahe wie einen Sport betreiben, — um das Erschrecken vor dem Abgrund zwischen Seinsollen und Sein zu provozieren, — während noch Rabbi Simcha Sischel rügte, es sei nicht genug ״Verwunderung“ in der Welt, nennt man in Telsch, ganz unsentimental, jemanden, der leicht die Augen aulreißt, ein — Kalb. Mit aristokratischem Erhabensein übers Gaffen wie über die erschreckte Flucht vor jeder Gefahr, hat Telsch, — wie ich schon zu Eingang erwähnte, — auch vor dem Einbruch der Nachkriegsaufklärung nicht kapitulieren brauchen. Es hielt nicht für unmöglich, Profanfächer zu lehren; es hielt nur für dumm, an sie zu glauben, sei es als ein Schreckgespenst oder als ein Allheilmittel. Telsch, das die Verpflichtung, Tora-Sammelstätte zu sein, noch von den alten Jeschiwoth her hat, das sich selbst als ״Nabel der Erde44 und jeden einzelnen seiner Schüler als einen Kulturfaktor betrach־ tet, konnte unter Ägide der Jeschiwa das orthodoxe Lehrerseminar von Litauen, ein großes Mädchengymnasium, ein ganzes Schulwerk ins Leben rufen. Und wer noch den alten Telscher Raw gekannt hat, der weiß, daß in solchen Aktionen kein Kompromiß mit der Zeit geschlossen wurde, daß hier auch nicht die leiseste Spur eines Zwanges gewaltet hat, sondern daß ein im Wesen unerbittlicher Mensch echter Monarch genug war, um ohne Palastrevolten — republikanische Verfassung zu verkünden. Kleiner Denkstein für einen Genossen der Jahre von Telsch, für Chajim-Jossel: Chajim-Jossel gehört nicht zu den Besten der Jeschiwa. Im Gegenteil. Er kann sogar weniger lernen als der Durchschnitt. Er ist nicht besonders geachtet, die meisten der Jeschiwa sehen 34*