Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 395)
- Language
- German
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370 derschreiben ließen, das was sich allein der Persönlichkeit des Empfangenden verhaften konnte, das gab Mosches Äußerem seinen Glanz.) Was uns selbst angeht, so müssen wir wissen, daß wir die konkreten Kenntnisse, die auch die Alten gehabt haben, leicht erfassen können; es steht in unseren Büchern, wir brauchen es nur zu lernen. Aber wir dürfen uns nicht einreden, daß wir so, wenn wir die Worte und Zahlen und Buchstaben kennen, schon eine Ahnung von ihrem Gehalt haben. Hier, in Telsch, wird das immer wieder betont. Es kommt uns hier auf die rechte ״Vorstellung“, auf die Begriffefülle, die hinter den Worten steht, an. Sie ist die Hauptsache, weil sie allein an die wirkliche Gottesfurcht heranbringt. Von ihr her, vom Eindringen in die Seele des Wissens kommt das rechte Gefühl, weil das rechte Verständnis, beim Mussarlernen. Wird von ihr her der Weg des Mussar begangen, dann ergibt sich jedem von selbst, was er in dieser Welt zu tun hat.tt Ich wählte unter den vielen Schmuessen, die ich in Telsch gehört habe, gerade diesen, weil er programmatisch ist. Abgesehen davon, daß er erläutert, was ich schon vorher andeutete, wie Halacha und Agada hier psychologisch erfaßt werden, abgesehen vom Methodischen also, ist er auch deshalb typisch für Telsch, weil er über die dort gepflegte Loslösung vom eigenen Verstand als dem Maßstab aller Dinge redet und schließlich, weil er Vorbedingungen für den Mussar nennt, die in keiner anderen Jeschiwa 80 kategorische Voraussetzungen sind. Telsch läßt in der Stunde Mussarlernen nicht an Entschluß aufwuehern, was gerade dem einzelnen naheliegt. Telsch setzt nicht mehr, wie Rabbi Israel, alle Hoffnungen auf die eine Chance von Eabbi Sundei: ״Lerne Mussar!“ Telsch ist darin Keim verwandt, daß es bestimmten Weg zum Mussar hin bahnt. Oder um es zugespitzt auszudrücken: Während bei Rabbi Israel der Mensch in seiner Totalität aus der Mussarklaus urplötzlich erwachsen konnte, geht in Telsch ein schon in seinen Grundzügen umrissener Mensch in die Mussarstunde hinein. Telsch erlebt deshalb an seinen Schülern relativ weniger Enttäuschungen als andere Jeschiwoth. Der Mensch dort hat nicht