Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 391)
- Language
- German
- Belongs to
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366 eines Schriftverses. Und Telsch wendet diese Methode nicht nur auf den Midrasch, sondern ganz konsequent auch auf die Halacha an. In Telsch, — wo symptomatisch der Mussarrabbi mit dem Talmudisten personenidentisch ist, — werden über einen Tossafot Dinge gesagt, die in ein psychologisches Kolleg gehörten, und wird im Schmues . . . Tossafot zitiert. Das aber nicht etwa als Einzelfall und weil es gerade so hineinpaßt, sondern als direktes Ergebnis eines Systems, in dem alle Scheidungen zwischen Mussarklaus und Beth-Hamidrasch aufgehoben sind. Eines Systems überdies, das die Mauern zwischen beiden nicht schleifte, indem es die Lehrstatte dem Bethaus der Straße anpaßte, sondern indem es die Mussarklaus zur Höhe der Jeschiwa, der denkerischen Arbeitsstatte, hinauf hob. Ein Telscber Schmues: ״Nicht nur alles Lebewesen, alle Kreatur ist mit Seele und Körper ausgestattet, sondern auch jedes Ding der Geistes weit hat einen materiellen und einen metaphysischen, einen stofflichen und einen abstrakten Teil. In der Wissenschaft ist der ״Körper“ jeder Behauptung ihr Ausdruck in Worten, Zahlen, Zeichen, und das, was wir die ״Seele“ der wissenschaftlichen Tatsache nennen möchten, ist, was diesen Zeichen und Zahlen in ihrem Verhältnis zueinander einen Sinn gibt, was sie eint, was sie durchblutet, was schließlich dem Menschen als ihr Gesamtbild vor Augen steht, wie er sie sich — vorstellt. Dies ist das Wesentliche jeder Geistesthese. Kennt man nur ihren konkreten Bestandteil, ihre Zahlen, Buchstaben und Zeichnungen, kennt man nichts. Weiß einer, daß die Sonne 1297000 mal so groß ist wie die Erde, weiß er weder etwas von der Größe der Sonne noch von der Proportion, die mit dieser Behauptung festgelegt wird. Wer aber den inneren Gehalt der Behauptung kennt, wer weiß, wie groß die Erde ist und was für eine Ziffer 1297000, der kann sich, erfährt er die These, mit ihr auch eine rechte Vor- Stellung bilden. Daraus ergibt sich, daß während der konkrete Gehalt aller Wissenschaft unveränderlich ist, ihr abstrakter Teil ständigen Wandlungen unterliegt. Denn so wie der Mensch sich ändert, wie er immer neue Dinge erfährt, die das alte Wissen ergänzen, wie er in der einen Stimmung eher qualifiziert ist, die Bedeutung einer