Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 386)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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361 Wir halten an unserem armseligen Besitz lest, weil wir fürchten, mit dem reichen zu — verhungern . . . Es steht: ״Mensch und Tier hilft Gott.“ Und die Gemara sagt, das bedeute: Gott hilft jenen Menschen, die sich*wie Tiere fühlen. Erklären wir den merkwürdigen Aussprach mit einem . . . Moschei: Ein Kaufmann fuhr einmal vom Jahrmarkt zurück über Land. Sehr müde, wollte er sich im Wagen hinlegen und schlafen« Aber bevor er das tat, ermahnte er den Kutscher: ״Paß* ja auf, daß wir nicht in Gräben und auf holprige Wege geraten, ich möchte schlafen.“ Nach einer Weile wurde auch der Fuhrmann müde, ließ die Zügel aus der Hand gleiten und schlief ein. Die Pferde sahen am Wegrand frische Weide, fraßen, trabten weiter ins Feld, immer weiter, bis sie schließlich irgendwo in einen Graben gerieten und die Fuhre umwarfen. Als dann der Kaufmann, vom Fall blutig zerschlagen, dem Kutscher Vorwürfe machte, verteidigte sich der: die Pferde seien vorher, den ganzen übrigen Weg lang, auch ohne Peitsche and ohne daß man sie lenken mußte, auf der Straße geblieben, sie kannten den Weg seit je, es waren ruhige, satte Tiere, es schien vollkommen überflüssig, aufzupassen. Aber der Kaufmann: ״Narr, Pferde bleiben Pferde. Sie wollen geleitet sein. Es sind doch keine Menschen, denen man nur einen Befehl zu geben braucht und dann sicher sein kann, sie verstehen ihn und führen ihn aas. Auf Tiergehime verläßt man sich nicht, das hättest du wissen müssen und aafpassen.“ So der Mensch. Er glaubt, weil er fromm ist, weil er schon hundertmal dieser und jener Versuchung ohne Anfechtung entging, dürfe er dann und wann einmal ״einschlafen“, sich darauf verlassen, daß er auch ohne besondere Mühe, auch ohne Kampf und Mussar, den rechten Weg finden werde. Aber er vergißt, daß er es mit tierhaften Instinkten, die nicht vom Verstand geleitet werden, zu tun hat, daß hier der Befehl allein nicht genügt, daß man ständig die Zügel in der Hand behalten muß. Er vergißt, daß