Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 385)
- Language
- German
- Belongs to
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m ״Nein, sonst nichts.“ So Israel, das einen Plan bekommen hat, auf dem alle Wunsche des Herrn der Welt aufgeführt sind und meint, es sei genug, den Wunschzettel durchzusehen. Ihn nun auch zu erfüllen, — darauf vergessen sie ganz . . . Es ist sonderbar: Wenn man einen unter uns danach fragen wollte, ob er die Tora wirklich für ein teures, über allen Werten stehendes Gut hält, wird er, ohne sich zu besinnen, antworten: Ja, unbedingt. Trotzdem aber läßt er nicht etwa die ganze materielle Welt im Stich und widmet sich nur der Tora, sondern jagt den Nichtigkeiten der Gasse nach und vernachlässigt Dienst und Lehre. Das Gleichnis, dem die Sache gleicht-? Es kam einmal irgendwo ein neuer König an die Regierung und man bestellte für ihn bei einem berühmten Goldschmied des Nachbarlandes eine Krone, wie sie so prächtig noch kein Herrscher je gehabt hatte. Als das Kunstwerk fertig war, holten ein paar Fürsten es ab und brachten es in die Residenz. Unterwegs aber brach ihnen ein Rad am Wagen; sie blieben auf der Land- Straße liegen. Ein paar Bauern von den Feldern nebenan kamen dazu, stellten sich um den Wagen und gafften. Und einer der Fürsten, der das Staunen in ihren Gesichtern las, witzelte mit dem jüngsten der Bauern: ״Nun, wie wärs, möchtest du die Krone gegen deinen Ochsen tauschen“? Der Bauer nahm den Scherz für Ernst, dachte eine Weile nach und sagte: ״Gut. Einverstanden.“ Aber da zogen ihn die anderen Dorfsleute beiseite und redeten tuschelnd auf ihn ein: ״Was wirst du mit einer Krone anfangen? Und wie willst du ackern ohne deinen Ochsen? — Woher willst du deine Milch nehmen? Du wirst ja glatt verhungern!“ Der Bauer sah das ein, kam zum Fürsten an den Wagen zurück und erklärte ihm, er könne leider das Tauschgeschäft doch nicht abschließen . . . So auch wir. Wir gestehen zu, wie teuer und wertvoll und schön die Krone ist, die Krone des Herrn der Heerscharen, die Tora. Aber, wie der Bauer, glauben wir nicht, daß man für sie tausendmal mehr als alles, was wir haben, erwerben könnte und