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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 380

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 380)
Language
German
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355 Werk darüber, wie junge Leute sich beim Militär verhalten sollen, wie sie dort mit ihrem Gebet, ihrem Essen und mit dem Sabbath ohne Gesetzesverletzung auskommen können, von Radin stammen nnzählig viel andere ähnliche Belehrungen. Aber es sind alles rein halachische Bücher, so sehr auch der Mussar jeder Zeile ihren Anstoß gegeben hat. Sie sind rein halacbisch, weil Radin das Phänomen, von dem der Ruf Rabbi Israels ausgelöst wurde, sich anders und sehr simpel so erklärt: Weshalb der Wilnaer Jude den Sabbath hütet und die Zunge nicht? — Weil er weiß, wie schwer das Vergehen gegen den Sabbath ist, über die Schwere des Vergehens der Bösrede dagegen nicht im Bilde ist. Und wie man es machen muß, daß er die Bösrede aulgibt? Rabbi Israel sagte: auch diesen einen menschlichen Urinstinkt umbiegen, so wie das mit dem anderen schon geschah. Radin aber sagt: Nicht so. Den Sabbath haben sie auf sich genommen, wie ganz Israel das Gesetz, vom Sinai her. Sie werden auch das andere auf sich nehmen. Als Gesetz. Vom Sinai her. In alle dem ist gar keine Problematik. Es ist so klar und eindeutig, wie alles übrige aus dem rein religionsgesetzlichen Bereich. Ja, es soll Mussar gelernt werden. Und man lernt in Radin jeden Tag eine halbe Stunde Mussar. Aber diese halbe Stunde unterscheidet sich nicht wesentlich von jenen, in denen man Gemara oder Schulchan-Aruch lernt. Es ist Studium wie jedes andere, es stehen in den Mussarbüchern Vorschriften wie überall sonst; worauf es ankommt, ist: sie wissen, beherzigen, hüten. Man braucht für solche Lektüre keinen extra Raum, kein Halbdunkel. Die Mussarklaus ist verschwunden. Wenn heute, wie es jeden Tag und jede Stunde geschieht, Juden, unglückliche Mütter, unglückliche Väter nach Radin kommen und vom Chofez Chajim wie von einem Chassidimrabbi Rat, Zuspruch, Segen haben wollen, dann sagt er still ablehnend, ruhig: ״Wenn ihr Tschuwa tut, wird euch geholfen werden!Und Tschuwa tun heißt bei ihm nicht: stürmisch, endgültig aufgerüttelt sich entscheiden, sondern: dazu umkehren, sich strikt ans Gesetz zu halten. Das genügt. Vollkommen. Wo so alle Problematik, alles schmerzhafte Werden ausgesehal- 23*

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