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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 379

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 379)
Language
German
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vom hohen Ziel, das der Einzelne noch nicht erreicht hat, und von der Niedrigkeit der Instinkte, als etwa so: Wir sind doch Juden, wir haben doch die Tora bekommen, uns zu einem bestimmten Lebens- Programm verpflichtet. . . Nun also, wollen wir es auch halten. Wohlgemerkt: Radin erreicht nichts anderes als das auch vom allerältesten Mussar aufgestellte Ziel, Radin verfolgt genau den gleichen Endzweck wie Slobodka. Aber die Argumentation ist anders. Wo Keim sich neue Regeln aufstellt und jeden einzelnen zum findigen Psychoanalytiker, zum schlauen pfadfinderischen Krieger gegen sich selbst macht, da sagt Radin schlicht und einfach: Wir sind doch Juden, bei uns steht so und so geschrieben, dort und dort .. . nun also, — warum halten wir es nicht? Slobodka spricht von der weitreichenden Konsequenz der Versuchungen, die dich antreten, Keim weist den Trieb, der dich ihnen in die Hände geben will, überlegen durchschauend in seine Schranken, — Radin redet vom Gesetz, vom Din. Von nichts sonst. Und Radin glaubt: Alles Unglück kommt nicht etwa daher, daß die Leute sich nicht genug um sich selbst mühen, daß ihr Instinkt ihre Handlungen verdunkelt, sondern daher, daß sie einfach nicht — Bescheid wissen. Wenn man hingeht und ihnen sagt, was sie zu tun haben, dann werden sie es auch tun. Dafür sind sie Juden. Vor allem in der Zielsetzung vereinigen sich Radin und Rabbi Israel. Wir entsinnen uns ja: Mussar sagte, der sogenannte fromme Jude sei auf halbem Wege stehen geblieben, er meine zu unrecht, er sei fromm, er erliegt nur jenen Versuchungen nicht, die gar nicht an ihn herankommen, er hat es, bei bestimmten Dingen, einfach verlernt, unfromm zu sein, dort aber, wo die Versuchung noch nicht ausgeschaltet ist, — da erweist sie sich 8tärker als er. Und Radin tut, wozu Rabbi Israel aufrief, es erfaßt die Dinge, bei denen Versuchung noch stattfindet. Radin erfaßt sie minutiös genau. Von Radin stammt die ״Mischnah Berura“ die Aufzählung all jener Details aus dem tagtäglichen Leben, vor denen sich in acht zu nehmen der fromme Jude noch nicht gewöhnt ist, weil sie Versuchungen neueren Datums oder irgendwie unbeachtet gebliebene Gebote sind. Von Radin stammt das ״Machne Jisrael“, das

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