Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 373)
- Language
- German
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m 8timmtem Zeremoniell. Es bat Rabbi Israels Lehre in Gesetzesformen umgegossen. Es ist als einziges von allen Mussarsystemen den Weg, der mit Rabbi Israels Erscheinen begonnen war, so zu Ende gegangen, wie das im allgemeinen bei Schülern eines Religionsstifters üblich ist: es hat kodifiziert. Und wenn Keim nicht exklusiv gewesen wäre, wie es das eben auf Rabbi Simcha Sischels Wansch hin war, dann hätte es vielleicht wirklich Sekte mit eige־ nem Religionsgesetz werden können; denn in Keim, als einziger von allen Mussarjeschiwoth, sind einmal kleine Ansätze auch zur Änderung von Bestimmungen des Schulchan-Aruch auf gekommen. Undes waren das nicht etwa das Gesetz erschwerende Variierungen, sondern solche, die alle Bräuche dort hinfällig machen wollten, wo sie einem Bedürfnis des Mussar, etwa dem des Gebets in Konzentration oder ähnlichem, im Wege standen. Vollkommen ist hier die Ekstase verschwunden, wie immer, wenn Religiosität; an die Stelle des Erlebnisses tritt. So freier Spielraum natürlich auch noch dem Entschluß, der aus dem Mussarlernen erwächst, gelassen ist, Rabbi Simcha Sischel, (nach Aller Meinung der begabteste unter Rabbi Israels Schülern,) hat sich doch auf die innere Wahrhaftigkeit der Epigonen nicht verlassen wollen und — Gesetz gegeben, die Erschütterungen des Mussar im vorhinein in feste Bahnen gewiesen. Man braucht eigentlich von ihm und von Keim nicht mehr zu wissen als dies: Er hat in der Mussarklaus — Rabbi Israels Stätte des Antobens gegen sich selbst — verboten, laut zu sprechen ... Ein Schmues von Rabbi Simcha Sischel: ״Seit je wundere ich mich darüber, daß auch bei Leuten des Beth-Hamidrasch ein Abgrund zwischen Tun und Wissen besteht, wie er bei den wirklich Großen und bei den Urvätern so garnicht vorhanden war. Ich sehe den Grund dafür, das Übel, in der — Erziehung schlechtweg; das heißt, in der Gewöhnung ans Gebot und die Anschauungen der Tora. (Deshalb auch nehme ich heute keine Menschen ganz jungen Alters in die Jeschiwa; sie kleben allzusehr an den Erkenntnissen, die sie als Kinder gewonnen haben und können sich nie ganz von ihnen trennen. Denn auch, wenn