Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 360)
- Language
- German
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835 kaer, ihm geben wollen. Mit dem Schmnes über irgend einen aktuellen Vorfall wird die ״Stimmung“ der Jeschiwa gemacht, mit dein Schmues, der Warnung ist, schon halb getaner Schritt angstlieh zurückbeschworen. Ich werde hier später ein paar von den vielen mir in der Erinnerung stehenden ״Schmuessen“ wiedergeben, aber es werden das nicht die in irgendeinem Sinn ״besten“, sondern diejenigen sein, die mir die bezeichnendsten scheinen. Denn es verhält sich mit ihnen so. daß dieser und jener Gedankengang, in der einen Jeschiwa gelehrt, wenn auch nicht genan so, dann doch in der Grundrichtung ähnlich, auch in einer anderen hätte gepredigt werden können; außerdem sind die Gedanken der Schmuessen häufig nicht von Grund her neu und noch nie gesagt, man könnte sie leicht in unserer darschanischen Literatur wiederfinden. Aber dort und in den Paralelljeschiwoth stehen sie dann als ״Einfälle‘4, wie eben im grenzenarmen Reich der Tora Überläufer sich unschwer in alle Gedankenbezirke hineinstehlen können. Deshalb wählte ich Schmues- Texte, die nur dann vom Leser in ihrem Gewicht recht erfaßt werden können, wenn er weiß, daß sie nicht ״Draschot“ schlechthin, nicht aus der Chancefülle des Denkerischen her angezogen sind, sondern jenen Mussarlebrern, von denen ich spreche, zuinnerst verwandt. Nicht die Spekulation hat sie dort geboren, sondern die Wesenheit des Sprechers. Es ist ja selbstverständlich: Hundert Menschen können im Gespräch ein Programm streifen und entwerfen, Dinge aussagen, die von verpflichtender Bedeutung sein könnten. Nur einem aber sind sie es. Nur einer lebt das Programm und läßt es aus sich heraus rufen. Slobodka. Da ist zunächst: Slobodka. Slobodka ist das russische Wort für Vorstadt. Es bezeichnet hier das Handwerkerviertel von Kowno, das die Stadt ausgestoßen hat nach jenseits des Njemen. Es ist ein Häufchen niedriger Häuser, durcheinandergewürfelt auf eine kahle Uferhöhe gestellt. Man kommt dorthin nur über eine große wackelige Holzbrücke, wie durch eine Vorkammer der leisen Angst um sich selbst.