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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 359

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 359)
Language
German
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334 Wie steht es dort aber mit dem ״Lernen“? Welche Stellung haben hier Altes und Neues, Woloschin und Mussarklaus, Rabbi Cbajim des Gaon Schüler und Rabbi Israel, Rabbi Sundeis Apostel zueinander? —Wie ist Mussar als Lehrfach eingeführt, und altes Ziel des einfachen Gemaralernens als Selbstzweck beibehalten worden? Es wird da auf eine bezeichnende, dem ganzen Problem seinen Rahmen spannende Äußerung von Rabbi Israel zurückgegriffen. Er hat sie in Memel, bei einer großen öffentlichen Disputation, getan, als litauische, rechnende, zeitgeizige Juden ihm die für sie und die ganze Bewegung entscheidende Frage stellten: ״Wenn jemand nur eine Stunde am Tag Zeit hat, — was soll er in dieser einen Stunde lernen: Talmud oder Mussar?“ Und Rabbi Israel, ohne sich zu besinnen: ״Mussar. Denn dann wird er sehen, daß er noch zwei Stunden Zeit für die Gemara hat . . . “ Das ist es. Mehr als ein Bonmöt und mehr als Antwort auf eine praktische Frage. Diese Worte wurden in den Jeschiwoth Programm. Mit ihnen wird dem Mussar als der zentripetalen Kraft der Jeschiwa ihr Platz angewiesen. Mit ihnen wird zwischen zwei Dingen, die bisher der rabbinischen Welt wenn nicht gar Gegner, dann doch Konkurrenten schienen, die erlösende Beziehung hergestellt: die Wechselwirkung. Ohne Lernen, so sagen die Jeschiwoth, von denen wir jetzt zu sprechen haben, — kein Wissen um das Endziel des Mussar; und ohne Mussar — kein reiner Impuls zum Lernen. Ständige und programmatische Wiedergeburt erfährt dieser Impuls in einer ad hoc von den Mussarjeschiwoth geschaffenen Einrichtung — dem ״Schmues“. In ihm, einer nichthalachischen, nur zum Nachdenken aufrufenden Rede, wird, was dem Einzelnen aus dem Mussarlernen als individueller Entschluß erwuchs, — geformt, in bestimmte nur dieser Jeschiwa eigentümliche Sinnesriehtung hineingebogen. Mit dem Schmues als dem Anruf, dessen Sentenzen alle Jahre des Jeschiwabesuches hindurch immer wieder besprochener Lehrstoff geworden sind, ist System in den Mussar gekommen. Ganz allmählich, aber jede Woche neu aufgefrischt, bekommen die Mussargedanken jedes Einzelnen den Akzent, den der Rabbi, also die Richtung der Telscher, Radiner oder Slobod-

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