Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 354)
- Language
- German
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329 erregen wir uns über diese Sache nicht mehr. Damals aber hat sie den letzten großen Ideenstreit innerhalb der rabbiniscben Welt ausgelöst, hat fast ganz Israel in zwei Lager gespalten und schließlieh beide Teile in Kampfesformen hineingehetzt, die vom Mussar gleich weit wie vom schlichten Rabbinismus entfernt waren. Es hat Skandale gegeben, die daraus erwuchsen, daß die Mussamikes auch vor einander sich die gesteigerte Qualifikation für ihren Beruf erweisen wollten» daß einer zugespitzt moralistischer wurde als der andere und dafür, wie für eine Dienstleistung an einer Institution, entsprechend höhere Privilegien erwartete und bekam. Man begann, einander zu überwachen und die ganze Stadt wurde, (in Wahrheit oder nur in der Vorstellung der Mussarnikes, das ist ja einerlei) eine Kontrollbehörde über den Moralismus jedes Einzelnen; Wortwechsel und Verfeindungen blieben unvermeidlich, — Rabbi Jizchak Elchanan entzog dem Ganzen schließlich das Firmenschild seines Namens und damit die materieile Grundlage, die primäre Möglichkeit, Mussar als Beruf zu leben. Dies eigentlich, die Abwendung Rabbi Jizchak Elchanans von der wirren und sich allzu sehr in persönliche Divergenzen verästelnden Institution, war der Ausgang dessen, was unsere Geschichte den ״Mussarstreit“ nennt. Denn nun machten natürlich die Freunde des Mussar Front gegen denjenigen, der mit seinem Beschluß der ganzen Bewegung die Lebensmöglichkeit genommen hatte, und, — in für den Mussar ungünstiger Personalunion, — gleichzeitig ״der“ Repräsentant der rabbiniscben Welt überhaupt war. Mit der Größe des Gegners aber wuchs die Vehemenz des Streites. Gegen Rabbi Jizchak Elchanan angehen war unmöglich, ohne daß die ganze jüdische Welt darüber in Aufruhr geriet, und wer sich einmal gegen ihn entschieden hatte, dem verzieh man dies nie wieder; er mußte sich also noch mehr in seine feindliehe Frontstellung hineinverbeißen. Immerhin hielt sich der Streit, solange Rabbi Jizchak Eichanan lebte, noch in gewissen Grenzen. Seine Autorität war zu groß. Als aber dann weder er noch Rabbi Israel mehr da waren und Epigonen gegen Epigonen standen, als die Mussar-Jeschiwoth, wo sie da und dort Fuß fassen wollten, nicht mehr dem passiven Desinteresse, sondern der eifernden Feindschaft von Ortsrabbinern und Gemeindegewaltigen begegneten, — da hatte der Kampf den