Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 353)
- Language
- German
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32Ö batte sie 60, kurz darauf schon 120 Schüler. Daraus folgte, daß man sechs- und zwölfmal so viel Geld brauchte, als im Anfang dagewesen war, und wie man später auch noch die kleinen Jeschiwoth in den Städtchen derselben Zentrale unterstellte, war daraus ein Organismus geworden, der Biesensummen verschlang. Das Geld aufbringen war nicht schwer. Lachmann machte große Geschenke, und ein gemeinsam von Rabbi Jizchak Elcbanan und Babbi Israel veröffentlichter Aufruf schuf den Sammelboten in allen Weltteilen im vorhinein hinreichendes Echo. Schwerer schon war es, das Geld auszugeben. Denn soviel Hemmung als vorher dem Mussar daraus erwachsen war, daß er an den Baalhabajit, den fertigen Berufsmenschen appellierte, soviel Schwierigkeit erwuchs nun aus dem Umstand, daß Mussarlernen ein Beruf geworden war. Plötzlich gab es eine materielle Gebundenheit an Babbi Israels Lehre, Mussarnikes nicht trotz ihrer Alltagsbeschäftigung, sondern gerade ihr zuliebe. Damit wurde zunächst bedingt, daß der Einzelne es erweisen konnte, ob er ein Recht darauf hatte, Mussar als seinen Beruf anzugeben oder nicht; und solange das in den Augen der Welt noch etwas Ungewöhnliches schien, wurde die Legitimation natürlich leicht angezweifelt. Also erwies man sie; möglichst augenfällig. Ob es den anderen nur so schien, weil es aufdringlich ihren Blick verletzte, oder ob die Mussarnikes es wirklich so dick auftrugen, bleibe dahingestellt, — Tatsache ist, daß sie ihre Qualifikation mit öffentlichen, ekstasischen Anfällen, mit fantastischen Übersteigerungen und Ausschweifungen der Selbst- Vernichtung zu erhärten suchten. Heute nehmen wir das Ganze als ein Zeichen dafür, wie unsicher sich die ersten Mussarnikes in dem neuen Beruf fühlten, wie sie glaubten, es hinge das Schicksal des ganzen Gedankens von ihrer Demonstration ab. Heute können wir verstehen, weshalb der Mussarnik davor zurückscheute, in stiller Zurückgezogenheit und ohne nach außenhin deutlich als Mussarnik kenntlich zu werden, das Honorar für sein Mussartum einzunehmen; es wäre ihm das beinahe wie Hintergehung erschienen. Heute wissen wir auch, daß hier sich nur die Geburtswehen einer Bewegung zeigten, die die Zeitgenossen in ihrem eigentlichen Wesen noch gar nicht kennen konnten und nur irrtümlich als Auswuchs dessen diagnostizierten, was Babbi Israel vorher proklamiert hatte. Kurz, heute