Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 355)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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83Ö Höhepunkt seiner Intensität und Häßlichkeit erreicht. Er war nicht mehr zu überblicken. Er hatte sich in Städtchen und Bethäuser, in Zeitungen und Eabbinatsstuben hineingestohlen, die Feindschaften waren jetzt schon alt und persönlich geworden. Neun bedeutende Rabbinen versammelten sich und erklärten, der Anspruch auf Anerkennung, mit dem die Mussamikes auftreten, entspräche durchaus jenem, mit dem, nach den Erfahrungen jüdischer Geschichte, die neuen Sekten werben. Mussar sei keine private Vereinigung des üblichen Sinnes mehr, sondern eine Bewegung mit absolutistischen Ambitionen. Sie hat, wird weiter in dieser Erklärung gesagt, nichts mit den Anrechten zu tun, die an sich die Mussarliteratur auf die Gesamtheit Israels besitzt. Und neun Rabbiner schildern mit Warnungen und Exempeln die Ausfälle, die die Mussarnikes sich im Streit haben zuschulden kommen lassen. Natürlich stehen demgegenüber andere Rabbinen, mit ebenso klangvollen Namen, auf und behaupten und belegen das Gegenteil, eine dramatische Gerichtsverhandlung vor dem Kownoer Rabbinat sieht Rabbi Jizchak Blaser als Angeklagten; kurz darauf werden die Mussarnikes aus der großen Schul von Slobodka vertrieben und dafür später in einer Bartholomäusnacht hundert Mussargegner aus Slobodka heraus über die Brücke nach Kowno gejagt.... Damit aber und mit Rabbi Simcha Sischels Tod, Rabbi Jizchak Blasers Wegzug von Kowno, ist die Schlachtenreihe dieses Krieges beendet. Entschieden ist er, wie jeder Krieg, so natürlich noch nicht. Wer gesiegt hat und wer unterlegen ist, läßt sich ja immer erst Jahre nach Abschluß eines Kampfes sagen. Zunächst glaubte man, die Mussargegner seien auf der ganzen Linie Sieger geblieben; sie waren in der Überzahl; sie hatten sich gegen eine neue Bewegung zu verteidigen und also moralische Rechte auf ihrer Seite. Man registrierte daher schnell, daß der Mussar unterlegen sei. Und man registrierte es ohne Erstaunen. Erst in der späteren Folge hat sich dann erwiesen, daß der Mussar und nicht die Anderen bei diesem Kampf profitiert batten. Während seine Gegner nur eine aus Zufall entstandene Attacke abwehrten und das Ereignis bald vergaßen, konnte der Mussar einen wesentlichen Teil seiner Schulung von diesem Streit her beziehen. Denn hier zeigten sich ihm die Grenzen seiner