Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 352)
- Language
- German
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327 weil der Schülertyp, der der Jeschiwa im Interesse der weitesten Toraverbreitung am liebsten war, zur Masse gehörte und hier nur ein paar Jahre WissensVervollkommnung suchte. Rabbi Israels Gedanke also, den ganzen Menschen nnd etwas anderes als nur die Wissensvermittlung in der Jeschiwa zn erfassen, war revolutionär. Es konnte triftige Grunde geben, ihn abzulehnen; denn er hinderte gewissermaßen das, was bisher Aufgäbe der Jeschiwa gewesen war: Wirkung in die unbeschränkte Weite, Aufnahme jedes sich meldenden Schülers, ganz gleich, woher er kam und wie bald er gehen mochte. Rabbi Israels Gedanke engte den Wirkungsradius der Jeschiwa ein; sie wurde, weil sie den ganzen Menschen haben wollte, beinahe exklusiv. Und doch hat Rabbi Israel mit der Hinwendung zur Jeschiwa nicht nur seine eigene Bewegung lebensfähig gemacht, sondern auch die Jeschiwoth als Institution gerettet. Der Anfang allerdings war klein wie der Anlaß. Zunächst sollten zehn junge Leute mit Lachmanns Geld ganz dem Mnssar leben. Aber es konnte schon mit ihnen und schon jetzt jener Typ Mensch entstehen, auf den es ankam: der nicht, schon im Leben stehend, vom Mussar umgeformt und dabei unglücklich wurde, sondern vom Mussar fertig gebildet ins Leben hinaustrat und sich da von vomeherein dem Mussar gemäß die Grenzen seines Alltags, seiner Stellung und seiner Versuchungen schuf. Als die Idee jetzt diese konkrete, endgültige, erlösende Gestalt gewonnen hatte, erwuchs Rabbi Israels früheren Schülern, die schon am Verzweifeln gewesen waren, neuer Mut. Rabbi Jizchak Blaser ließ für sie sein Petersburger Rabbinat im Stich und kam nach Kowno, Rabbi Simcha Sischel von Keim schickte für sie Boten in die Städtchen, es entstanden da und dort kleine Lerngemein־ schäften des Mussar; der Mussarnik war kein absonderlicher Eigenbrödler mehr, sondern Schüler einer Schule. All das warf natürlich Reflexe auf die Zentral Institution, die Jeschiwa in Kowno, die unter der Ägide der ״Staäta, der, fast durchweg dem Mussar ergebenen, führenden reichen Bürger, Bethausdespoten und Gemeinderäte stand, und als Ganzes gedeckt war durch den Namen des Ortsrabbiners Rabbi Jizchak Elchanan, des letzten Exilsfürsten, den wir gehabt haben. Die Rückwirkung auf die Zentralinstitution aber war zunächst, daß sie rapide wuchs. Nach ein paar Monaten