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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 351

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 351)
Language
German
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Diese Erkenntnis, (wir wissen nicht, ob schon vorher existent oder zufällig in diese Periode fallend,) ließ Rabbi Israel sich dem Versuch am unfertigen, am werdenden Menschen zuwenden. Die tausend Rubel, in Gedanken schon beinahe verausgabt für den Baalhabajit, wurden für die Gründung einer Jeschiwa bestimmt. Und damit war die Entscheidung über das Schicksal des Mussargedankens getroffen. Uns Heutigeu erscheint diese Hinwendung zur Jeschiwa so selbstverständlicher Gedankengang, daß es uns schwer fällt, zu erkennen, welch historisches Gewicht dieser Schritt hatte. Uns will es heute so scheinen, als ob ganz natürlich der Ort eines Studiums und einer Arbeit wie des Mussar in einer Jeschiwa sei. Für die Zeit von Rabbi Israel aber hatte diese Idee etwas Umstürzlerisches, das erklärt werden muß, wenn man überhaupt verstehen will, was mit und in der Mussarbewegung vorgegangen ist. Zunächst: die Jeschiwa war damals nicht die Wachstum- Stätte der Rabbiner. Wirklich ״geworden" sind die Rabbinen fast alle in der Einsamkeit, bestenfalls in der kleinen Gemeinschaft eines Städtchens. Als Institution genommen war, so komisch das klingt, die große Jeschiwa geradezu der Gegenpol der Rabbinerbildungs- Stätten, nämlich im besten Sinne des Wortes — Volkshochschule. In Woloschin ist ein ständiges Kommen und Gehen gewesen. Es war auch für diejenigen, die später Rabbiner wurden, mehr Sammelstätte und Treffpunkt als Ausbildungsschule. Es hatte sich der Usus herausgebildet, daß man die Jahre des noch unentschlossenen Jungseins, um die Zwanzig herum, hier verbrachte. Und die Jeschiwa, auf diesen Usus gestützt, nutzte ihn so, daß sie möglichst viel Tora, verlebendigt durch die Gemeinschaft, in den Leerraum jener paar Jugendjahre hineinfüllte. Es hieß demgemäß nicht, sich von der Tora abwenden, wenn einer nach zwei Jahren oder mehr von Woloschin nach Hause zurückfuhr. Es bedeutete ganz einfach, daß man sich nun, etwas herausgehoben über die unwissende Masse, in der besseren Bürgerschicht installieren wollte. Aus diesem und vielen anderen (in einer Geistesgeschichte der Jeschiwoth darzustellenden) Gründen, versuchte Woloschin garnicht, den einzelnen Schüler von seinem Milieu, seinem Vaterhaus und seinem anerzogenen Habitus zu trennen. Es hatte nicht die Aufgabe, an das Menschliche gestaltend heranzugehen, schon

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