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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 344

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 344)
Language
German
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319 zwischen den Wänden gehen, sagen, ob sie zum Ziel kommen werden oder nicht. Wer nun denen, die auf der Tribüne stehen, glaubt, der wird auch recht gehen. Wer das aber nicht tut und seinen eigenen Augen nachwandem will, der irrt. Endlos, lange. So ist es auch hier. Wer über einen Trieb noch keine Gewalt bekommen hat, der ist wie in den Irrwegen gefangen. Er sieht keinen Unterschied zwischen den Pfaden. Aber die schon über sich gesiegt haben, schon auf der Tribüne stehen, — die sehen alle Gänge vor sich und können denen raten, die ihnen glauben wollen. Was aber ist der ßat, den sie geben? Sie sagen: ״Kommt, laßt uns Rechnung halten Ein paar solcher Sätze genügen. Man wiederholt sie. Langsam, wie einer Münzen zählt. Lesen aber, ohne dabei zu summen ist unmöglich. Ein Wort, einen Satz anders als mit Melodie auffangen und in sich eindringen lassen — das geht nicht. Nur muß diese Melodie des Mussar eine ganz andere sein als die sprunghafte, lebendige, einschmeichelnde vom Beth-Hamidrasch. Da darf keine Tonbiegung sein, die es möglich macht, Fragen hineinzugeistem, da darf keine spitze, ins leere gerichtete Übersteigerung, kein Aufführen von Gedankengebäuden Platz haben, — das muß dumpf und mahnend und gleichmäßig schwer wie Schläge, wie unerbittliche Forderung tönen. Da muß jedes Wort niederfallen wie ein Hammer auf den Amboß und nachhallen. Der Mussarnik sitzt, hebt ein Wort auf und läßt es auf sich herabsausen. Dann hört er den Fall in sich nachklingen und sieht, wie das Ich sich schaudernd und ängstlich zusammenzieht, verkriecht wie eine Katze, die man aufgeschreckt und in die Ecke gejagt hat. So klein wirst du da, so nichtig, so überall ist die Haut, sind die Glieder deiner Seele verwundbar, so viel Platz ist an dir für Schläge und Peitschenhiebe, daß dich ekeln müßte vor dir selbst, daß du hinausgehen und dich knuten lassen müßtest wie ein Flagellant, wenn — du nicht ein Jude wärest. Weil du aber ein Jude bist, wirst du bei diesem Anblick nur traurig. Du weißt, daß es zum Besserwerden andere Wege gibt, als den Körper demütigen und die Seele dabei stolz sein lassen noch

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