Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 343)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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318 keiten, ohne Scharfsinn, ohne anspruchsvolle Theorie, mit einfacher Rede vom Menschen und seinen inneren Nöten. Ringsherum an den Wänden stehen Betständer, läuft eine Holzbank. Es ist halb dunkel. Wer die Tür aufmacht und ans Fenster geht, nimmt eines von jenen kleinen Büchern, legt es auf den Ständer, stützt den Kopf in die Hände und beginnt zu lesen. Langsam, ohne auslesen, zu Ende lesen zu wollen, ohne die Absicht, Neues und Scharfsinniges zu erfahren. Nur ansprechen will man sich lassen von diesen Sätzen, den Blick senken, wenn sie reden, so wie man es macht, wenn einen ein Vater zurechtweist. Mach׳ das Buch auf, das dort das gebrauchteste ist, oft das einzige ausliegende überhaupt: Luzattos ״Messilat Jescharim“. Lies seine ersten Zeilen. Da steht: ״Vorwort dessen, der dies Buch geschrieben hat. Ich habe es nicht verfaßt, um den Menschen etwas zu sagen, das sie nicht wissen, sondern um sie an etwas zu erinnern, das ihnen gut, sehr gut bekannt ist. Du findest in all meinen Worten nichts, was nicht fast alle Menschen wüßten. Aber so bekannt die Dinge sind und so offenbar ihre Wahrheit und Gültigkeit, so vergessen sind sie, so verschollen . . . Und doch muß man sie lernen, denn was nicht gelernt wird, wird vergessen und einer Sache, der man keine Zeit widmet, schenkt man auch keine Gedanken.“ Oder: ״Es ist wie ein Irrgarten, den sich die Grafen machen, wo aus Blätterzäunen Wände gebildet wurden und aus den Wänden verschlungene, verschnörkelte Wege, die alle einer dem anderen gleichen und wo es nur darauf ankommt, die Tribüne zu erreichen, die in der Mitte des Gartens steht. Die Wege aber, — manche sind grade und führen wirklich zu jener Tribüne, manche narren den Menschen und führen ihn weitab in die Irre. Wer auf den Wegen selbst geht, kann nicht sehen und wissen, mit welchen er zum Ziel kommt; sie sind ja alle gleich, es ist kein sichtbarer Unterschied zwischen den echten und den falschen. Wer aber schon auf der Tribüne steht, der sieht alle Wege gleichzeitig vor sich und weiß, welche von ihnen in die Irre führen und welche nicht, und er kann denen, die noch