Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 342)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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317 angewiesen, der Raum gefüllt; wo du dich hinsetzt, stößt da an etwas, das dich in deine Grenzen weist. Allmählich wird so die Mussarlehre identisch mit ihrer ersten Institution, weil sie nun leichter zu verstehen ist, weil nun sich konkrete Vorstellung damit verbindet, wenn die Mussamikes einem sagen: du mußt, wenn du zu dir selbst kommen, mit dir and nnr mit dir allein sein willst, in die Mussarklans gehen, nnr dort ist Sammlung, nur dort ist Einsamkeit, nnr dort können dich der Lohn und die Strafe, die Sünde und das Gebot, deine Hoffahrt and deine Kleinheit mit ihren großen Augen ungestört anstarren. Erst jetzt wird auch die ״Bewegung“ dieses Namens würdig; denn die Mussarstübchen sind deutlich sichtbar etwas, das gegen die Welt steht, ja mehr noch, Gegenpol des Beth-Hamidrasch. Sie nehmen ja ihre Existenzberechtigung daher, daß sie sagen: ins Beth-Hamidrasch sickert die Umwelt zu stark hinein und verdirbt dort die Menschen und macht sie glauben, lernen können — das müße irgendwelche Geltung in der Gasse verschaffen. Man hat den Worthandel vom Markt hineingetragen in den Talmud, Konkurrenz ist um die heilige Lade wie an den Ständen der Geld- Wechsler, und das Vergehen gegen den Mitmenschen wird hier nicht schwerer gewogen als dort, vorm Vergehen gegen Gott dort nicht ernster gewarnt als hier. Die Mussarklaus, die bewußt gegen das Beth-Hamidrasch steht, die die Tora davor behüten will, Ware zu werden und die, die sie lernen, mißgünstige Händler, die Mussarklaus tritt jetzt ins Volksbewußtsein als ein Ort, in dem kein Handel, kein Neid, kein Zorn und kein Kampf, kein Hochmut und kein Haß ist. Sie lebt im Empfinden aller Juden der Stadt als eine Insel, an! die man sich hinaufretten kann wie zu einer Höhe, um die nur reine Winde weben, auf der schon die Luft allein läutert. So sieht sie aus: Sie liegt im Dachgeschoß des niederen Bethauses der Uhrmachergilde. Man kommt über eine enge Holztreppe hinauf und findet den Raum fast leer. Nur auf den Fensterbänken liegen kleine, zerlesene Mussarbücher, schlicht gläubig, ohne Gelehrsamr