Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 341)
- Language
- German
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längliches Mittel dafür, den Mangel an Kontur, von dem wir sprachen, za beheben, so erweist sich doch, daß die Mussarklaus der Idee eine ausreichende Gestalt gibt. Denn die Klaus ist Institution und macht die Lehre unabhängig von der persönlichen Einflußnahme Babbi Israels. Sie fängt jede für den Mussar getane Tat, jede Stunde Mussarlernen, deutlich auf. Jeder, der dort hinkam und Babbi Sundeis Vermächtnis in die Tat umsetzte, trug es in eine bestimmte Öffentlichkeit, feuerte andere an, gab Beispiel, kurz: der Impuls versickerte nicht im Privathaus, hinter verschlossenen Türen. Am wichtigsten aber war, daß von dieser Sammelstätte, ihrem Dasein allein her, eine ständige Mahnung an Babbi Sund eis Befehl alle die ansprach, die einmal zum Mussar sich entschlossen hatten und denen der Entschluß dann mit dem Alltag verblaßt war. Errichtet in Zukunft irgendeine Stadt eine Mussarklaus, dann bekundet sie den Willen, sich für die Dauer und nicht nur für einen Augenblick die Chance zu verschaffen, dem Alltag zu entgehen. Kommt von jetzt ab Babbi Israel oder einer seiner Schüler in ein Städtchen und spricht zu den Leuten und ergreift es sie und fragen sie: was also sollen wir tun?, dann läßt sich nun antworten: gründet eine Mussarklaus, laßt den Impuls dieser Stunde zu einer Institution werden. Viele andere Gründe, die sich erst späterhin ergaben, rechtfertigten die Einrichtung der Klaus. Es fiel dort jede Scham vor dem Zuhörer und dem Zuschauer, die sonst beim exaltierten Mussarlemen im Beth-Hamidrasch aufkam. Das kleine Quantum an Gemeinschaft, das auch die individualistischste Volksbewegung braucht, wurde mit der Klaus gegeben. Schließlich aber wurde sie auch an sich erstes und vornehmstes Mittel gegen die Versuchung, wurde Anstoß zu innerer Sammlung, zum Sicherheben über die Lockung, zur Besinnung auf das höhere Ziel, zur Auseinander- Setzung mit dem verdunkelten Bewußtsein höheren Menschtums, zum Hinaufschauen an den Gipfel der Aufgabe und zum Abmessen der weiten Entfernung zwischen ihm und uns, zur Selbstbesinnung, Selbstdemütigung, den Willen zum Besserwerden, zur Tschuwa. Mit dem Vorstellungsbild der Mussarklaus wird es auch für die Masse allmählich zur Erkenntnis, daß für die innere Einkehr wirklich im Leben des Marktes und noch in dem des Beth-Hamidrasch keine Zeit und kein Ort ist. Da ist jedem Ding sein Platz