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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 340

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 340)
Language
German
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315 als wirklicher, Halacha-dozierender Leiter an der Ramailes-Jeschiwa in Wilna. Nicht ganz das also, was Rabbi Israel sieh gewünscht hatte. Weil der Posten sehr geachtet war, war sein Träger natürlich auch sehr beneidet. Es gab Konkurrenz, man erzählt sich von Iutriguen, die einen Rosch-Jeschiwa, Rabbi Mordecbai Melzer, gegen Rabbi Israel Stellung nehmen und den so Partei werden liehen. Das hat er menschlich und vom Mussargesichtspunkt her natürlich nicht vertragen können, das hinderte aber auch die ungetrübte Wirkung der Persönlichkeit; er verzichtete deshalb auf den Posten und setzte den Versuch der persönlichen Wirkung auf Einzelne in anderem, eigenem Kreis fort. Er schuf sich selbst eine Jesehiwa, in der Wilnaer Vorstadt, in Sarezi. Am ersten Tag proklamierte er dort, daß es ihm nicht um den Jünger als solchen, den Talmudschüler ging, sondern um die Idee, daß die Jesehiwa nur Mittel zum Zweck, Wirkungschance, nicht Wirkungskreis war. Er lud Leute der Straße, Nichttalmndisten, Hausväter, Menschen der Vorstadt, Abend für Abend in die Jesehiwa und sprach zu ihnen vom Mussar. Hier erwies sich dann, daß er zu einem Teil recht gehabt hatte, wenn er den einmaligen Aufruf von den Kanzeln her anfgab und beschloß, mit der ständigen, sich seiner Person eng verbindenden Einwirkung, Hörige seiner Idee zu schaffen. Er gewann in Sarezi wirklich die ersten ״Mussarnikes״ der Geschichte. Zu einem anderen Teil aber stellte sich heraus, daß der Lehre auch jetzt noch die aus ihr selbst erwachsende Kontur fehlte. Sie war ihrem Stifter verbunden und lebendig, sobald er zu ihr aufrief, aber sie führte das Mindestmaß von Eigenleben, das sie brauchte, um überhaupt an sich Gestalt zu gewinnen, nicht. Auf eine Formel sollte sie nicht gebracht werden, aber: irgendwelchen Niederschlag im Konkreteu mußte sie ja doch haben. Aus dieser Erwägung wird in Wilna die erste Gründung der Mussarhistorie vorgenommen: die Mussarklaus im Hofe von Salmen Rabbi Uris. Von da ab wird dies, so lange Rabbi Israel seine Hoffnung auf den Mann der Straße setzt, das eindeutige Symbol der Mussarlehre. Den Mussar irgendwo hintragen, heißt von nun ab: eine Mussarklaus gründen. Und scheint das auf den ersten Blick eine fast nichtssagende Leistung, scheint es ein unzu-

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