Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 339)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Das Unglück ist: Chassidim glauben, sie haben einen Rabbi, und Misnagdim glauben, sie brauchen keinen Rabbi . . . u ״Für wie groß würden wir das Glück halten, wenn einmal in siebzig Jahren ein Tag wäre, an dem man uns von oben all unsere Sünden verzeiht. Und nun, da jedes Jahr ein Jom-Kippur ist, was tun wir? . . . “ ״Wer einmal richtig Mussar gelernt hat, wird die Stunde sein ganzes Leben laug nicht wieder vergessen können“. Institution. Aber: Sieht die Gasse Rabbi Israel so und erzählt sie sich dies bewundernd von ihm, 80 ist damit doch nur der Persönlichkeit, — nicht ihrer Idee, — ein Kreis von Verehrern geschaffen. Das Programm hat dadurch noch nichts an Verbreitung gewonnen. Rabbi Israel merkt das. Und auf der Suche, auf der er noch ist, will er den Mangel damit überwinden, daß er einem kleinen Kreis seine Persönlichkeit so einprägsam macht, daß der dann eo ipso seine Lehre mit übernimmt. Er will die Formel, die dem Mussar noch fehlt, mit der Personifikation durch sich ersetzen. In dieser Absicht, die sich später als irrig erweist, tut er einen Griff nach einer der vielen Jeschiwoth, wo neben dozierenden Lehrern, die nur zu den Gebets- und Vortragszeiten das Lehrhaus besuchen, einer den ganzen Tag unter den jungen Leuten sitzt, Achtung gibt, Ratschläge erteilt, etwas wie Aufpasser und Hausvater zugleich ist. Hier könnte der persönliche Kontakt die Persönlichkeit sich herausschablonisieren lassen. Aber eine Jeschiwa, die Rabbi Israel solche Stelle übertragen will, findet sich nicht. (Es ist nicht sicher, warum. Vielleicht hat man seine konkreten Absichten gefürchtet und sie nicht mit einem Amt verbinden wollen, das an sich immer bedeutungslos war, vielleicht auch wollte man wirklich, wie die frömmere Überlieferung berichtet, einen Gaon von der Größe Rabbi Israels nicht mit einem minder geachteten Posten quasi degradieren.) Es fand sich so für ihn nur eine Stelle