Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 338)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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übertragen wollen. Es war in einem Keller, eine Funzel brannte träge zu Ende. Rabbi Israel sagte: ״Schade, heute wirst Du mir wohl die Arbeit nicht mehr machen können.“ Und der Schuster: ״Warum? So lang das Licht noch brennt, läßt sieh viel richten.“ Seither pflegte er, manchmal in einer seltsamen Melodie, zu singen: Solang das Licht noch brennt, läßt sich noch viel richten. So sehr hat er sich darum gemüht, das fremde Kind lieb zu gewinnen wie ein eigenes, daß er darüber dem eigenen fremd wurde. Es geschah, daß sein eigener Sohn einmal seine Hilfe brauchte und er sie ihm nicht geben konnte. Zu mißtrauisch war er gegen sein natürliches Vatergefühl geworden, zu stark lebte in ihm der Wille, sich als Vater des fremden Kindes zu fühlen. Ein Dieb schlich sich in den Hof seines Hauses und wollte einen Sack Kartoffeln forttragen. Er stand am Fenster und sah, wie der Mann sich mühte, den Sack zu heben. Da ging er hinaus und half ihm, ihn auf die Schulter laden. Die Leute im Haus machten ihm dann Vorwürfe: ״Du selbst hast ihm geholfen die Kartoffeln fortzutragen“. ״Glaubt Ihr“, sagte er, ״weil er ein Dieb ist, wäre ich nicht verpflichtet, ihm zu helfen?“ i Er pflegte zu sagen: ״Menschen sind wie Vögel. Sie können unermeßliche Höhen erfliegen. Aber nur, wenn sie die Flügel mit aller Kraft bewegen. Sie können noch so hoch oben sein, wenn sie nicht noch höher hinauf wollen, — fallen sie, gleiten sie herunter.“ ״Chassidismus“, pflegte er zu sagen, ״kann noch Branntwein koscher machen; Mussar noch die Tränen — trejfa.