Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 336)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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31 i Kompromissen, aber weil sie Rabbi Israel eben nicht Ihr einen Mann des Bekenntnisses, sondern Ihr den Vertreter einer Anschanung hielten, zumal einer, gegen die sie ״im Prinzip“ nichts einzuwenden hatten, glaubten sie in aller Einfalt immer wieder Rabbi Israel für sich gewinnen zu können. Das geschah bei weitem nicht nur, wie die Historiker meinen, jenes eine Mal, als sie ihn zum Inspektor der Rabbinerseminare machen wollten und er deswegen aus Wilna fliehen mußte, sondern mit Intervallen genau so lange, als Rabbi Israel lebte und der Mussar seine Kontur noch nicht hatte. Man sieht, Rabbi Israels Rede kam überall, bei Rabbinen und Maskilim, Wesenselementen entgegen, die schon vorhanden waren. Das ließ seine Stimme schnell zu einer werden, die man gern bei der Entscheidung aller neuen Fragen gehört hätte, so etwa wie heute die eines im guten Sinne populären Schriftstellers. Den anderen Teil seiner Wirkungsmöglichkeiten aber verdankte Rabbi Israel dem Vorbild seiner Persönlichkeit, ähnlich wie Rabbi Sundei, gerade dort, wo sie der Wesenheit der Masse konträr ent gegen stand, Bewunderung abnötigte und mit ihrer eigenen Vollkommenheit die Unvollkommenheit der anderen beschämend deutlich machte. Der Volksmund überlieferte und überliefert bis auf diesen Tag ein paar Geschichten von Rabbi Israel, die mehr noch als seine Wesensart die Vorstellung konkretisieren, die die Masse von ihm und seinen Forderungen hatte. Sie seien statt aller theoretischen Abhandlung mit der Akzentuierung, die die litauische Gasse ihnen gibt, hier nacherzählt: 1848 wütete in Wilna die Cholera. Es starben in wenigen Wochen dreitausend Menschen. Es war das gegen Ende des Sommers und Rabbi Israel damals Leiter der Ramailes-Jeschiwa im Hof des Gaon. Als man am Jom-Kippur sich schwach, ängstlich, gebrochen zum Beten versammelte, fastend, bittend, weinend, hörte man: Rabbi Israel ginge von Synagoge zu Synagoge mit gespanntem Gesicht und glühenden Augen. Dann sah man ihn unter die Betenden treten, weinen, sagen: