Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 334)
- Language
- German
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und Vielschichtigkeit des Baues steht, zum Schluß: ״Lerne Mussar!“. Oft auch sind sie ganz kurz, haben nur fünfzig oder hundert Zeilen, aber es steht auch dann in ihnen nicht mehr, als: Lerne Mussar!. Natürlich, es ergeben sich dem mussarlemenden Menschen diese und jene neuen Erkenntnisse, es erwächst ihm daraus auch diese und jene neue, zumindest altneue praktische Konsequenz. Aber die Forderung stellt sich erst ein, wenn-er schon Mussar lernt. Wer das tut, ist vorsichtig mit dem Wort, unsicher im Schritt, zagend im Handeln, der Welt und dem Geschäft nicht mit Haut und Haaren verkauft, gelassen, überlegen. Und er ist das, weil er in den Stunden des Mussar zu bestimmten Erkenntnissen gelangt ist, sich selbst und die Spinnweben der Gewohnheit, der umweltlichen Konvention durchschaut hat. Aber die Lehre darf doch nicht, um ihrer selbst willen nicht, mit diesen ihren Ausflüssen identifiziert werden. Rabbi Israel scheut bewußt davor zurück, die Wirkung des Mussar auf den Menschen, also das Resultat mit dem Anstoß, der Lehre selbst, gleicbznsetzen. Er predigt nicht: hütet euch vor Bösrede, sondern: lernt Mussar und ihr werdet vor Bösrede bewahrt werden. Es kann ja auch nicht anders sein. Denn erstens sind die Konsequenzen des Mussarlernens nicht mit Geboten auszuscböpfen; je mehr und intensiver einer lernt, desto mehr seelische Pflichten erteilen sich ihm. Dann aber dürfen die Folgen des Mussarlernens deshalb nicht in fest gerundete Formen gegossen werden, weil man Mussar nie zu Ende lernen kann. Außerdem wehrt sich schließlich ja die ganze Bewegung gerade gegen das gesetzgebundene, erkenntnislose Tun, das unbewußte Handeln; sie will nicht, daß einer anders als aus seelischen Errungenschaften her sich eine Vorschrift auflade. Also fehlt der Lehre von Rabbi Israel, wie er sie, um 1840, durch die Städtchen trägt, das Wesentlichste, was sie zur Verbreituog braucht: die Kontur. Dem Menschen, der weiß, was Rabbi Sundei gemeint hat, selbstverständliches, inneres Wissen, wird sie von dem, der es noch nicht erfuhr, vergeblich hinter den Worten ״Lerne Mussar“ gesucht. Rabbi Israel war in dieser Zeit etwa vierzig Jahre, kein Alter. Wenn er überhaupt in den Städtchen von Litauen ein Echo