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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 333

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 333)
Language
German
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308 ihn das wohltuend entscheidende geworden war, ankam. Und Schrecken ist der Angst sehr verwandt. Auch wer vor der Unredlichkeit seines Tuns allein nicht erschrickt, aus Angst vor den Folgen seines Tuns kann er allenfalls einhalten. Und daß man erschrickt, wollte Rabbi Israel unter allen Umständen. War das erst einmal erreicht, so erwuchs nach seiner Erfahrung daraus ein Erlebnis, das hoch über allem Ab wägen von ״Lohn und Strafe“ stand. Rückblickend und rein menschlich überschaut ist es ein grandios rührendes Bild. In einen ist der Schreck über sich, über die Welt gefahren und es treibt ihn nun, daß er unter die Leute gehen muß, sie am Arm packen, sie zurückreißen, sie aufrütteln und flehend, Entsetzen in den Augen, fragen: Siehst du denn nicht? Wo bist du hingeraten? So beginnen auch alle seine Reden, seine Briefe, unter diesem Zeichen steht sein Leben: Halt eine Weile inne, Mensch, sieh, wer du bist, und sieh dann, wie du sein müßtest und — erschrick. Sieh, was für niedrigen Trieben du in die Hand geraten bist, sieh, wie sie dich weitfort ziehen von dem, was du selbst glaubst und selbst willst, sieh mit klaren Augen, was du, von dunklen Instinkten gelockt, getan hast. — Immerfort wiederholt sich das bei Rabbi Israel und soll der Anruf sein, mit dem das im individuellen Bezirk sich abspielende entscheidende Erlebnis provoziert wird. Aber die Leute in den Städtchen hören leicht darüber hin und halten es für wesensverwandt mit dem, was schließlich alle Wanderprediger sagen. Proklamiert aber ßabbi Israel im Anschluß hieran die einzige Forderung, das einzige Neue, das er zu verkünden hat: ״Lerne Mussar!“, — so ergibt sich eine seltsame Kalamität. Die Aufforderung ist zu simpel, um wie ein Bekenntnis za wirken. An diesem Manko, das gleich bei den ersten Schritten der Bewegung deutlich wird, hat sie fast ihre ganze Gründerzeit hindurch gelitten. Alle Kundgebungen der ersten Periode, besonders also die Briefe und Reden von ßabbi Israel, leiden darunter. Oft holen sie sehr weit aus, beginnen bei talmudischen und philosophischen Auseinandersetzungen, bei der Weltschöpfung, beim Nichts, bauen sich selbst stufenweise alle Erkenntnisse auf und kommen daun zu einem Schluß, der in keinem Verhältnis zur Größe

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