Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 332)
- Language
- German
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307 in Kowno von einem Fischer unten am Njemen, einem sonderbaren Frommen, den das Volk für einen der sechsunddreißig Gerechten, der verborgenen Säulen der Welt, ansieht. Wie Rabbi Israel das hört, schüttelt er energisch den Kopf. Das kann nicht sein, sagt er, ״wenn er ein wahrhaft Frommer wäre, lebte er nicht im Verborgenen. Dann wüßte er, daß man das in dieser Zeit nicht darf.*4) Er ist also zur Wirkung, zum Wirken entschlossen. Aber um es gleich vorwegzunehmen; Er bleibt fast all seine Tage auf der Suche nach dem rechten Forum dafür. Erst sehr spät, streng genommen sogar erst nach seinem Tod, hat der Mussar die richtige Tribüne gefunden. Eabbi Israel selbst hat vierzig Jahre lang peinvoll vergeblich nach ihr gefahndet. Er greift dabei zuerst nach dem Nächstliegenden, dem Nachbar in der Gasse, dem Mann, den er tagsüber im Laden und abends ein wenig im Beth-Hamidrasch sieht, dem Baalhabajit. Und er greift nach dem nächstliegenden Weg zu ihm: der belehrenden Ansprache, der Rede von der Kanzel. So zieht er, wie er eben zum Amt des Rufers sich durchgernngen hat, von Städtchen zu Städtchen und bringt das in die Leute, die ihm zuhören, was ihm erst kurz vorher übermächtig widerfahren ist: den Schreck über sich selbst. Er tut das mit allen Mitteln. Auch mit einem, das später sehr in Verruf gerät: der übermäßigen Betonung des Strafmoments. Später fällt es Pseudoaufklärern sehr leicht, Bücher und Ansprachen von Rabbi Israel zu mißkreditieren, wenn in ihnen immer nur von der schweren Strafe für die Sünde, von der Hölle und ihren Foltern gesprochen wird. Zahlreiche solche Äußerungen werden zur Aburteilung des Mussar zitiert, beispielsweise, daß, wenn alles Mussarlernen eines Lebens weiter nichts erreichen würde, als daß man ein mal sich von einer Bösrede zurückhielte, das allein schon ״lohnte“; denn die Strafe für jedes eine Mal mit-den-Lippensündigen ist unausdenkbar grauenhaft. — Das hat Rabbi Israel gesagt, und es hat ihm das Odium jemandes verschafft, der nicht etwa aus Angst vor dem Bösen, sondern aus Furcht vor der Hölle predigte, man solle gut sein. So aber ist es in Wahrheit ja nicht gewesen. Wer Rabbi Israel verstand, erfaßte das sofort. Denn wer ihn verstand, wußte, daß es ihm auf die Provozierung jenes Schreckerlebnisses, das für 20*