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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 328

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 328)
Language
German
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303 Hier dann, beim Vergleichen des Ziels mit dem, was erreicht war, des Sein8011ens mit dem Sein, tritt das entscheidende Erlebnis ein: In Rabbi Israel fährt der Schreck über sich selbst. Urplötzlich ist die Diskrepanz erkannt, wird klar, wie man sich gegen seine Bestimmung und gegen seinen eigenen Willen, ja gegen seinen eigenen Glauben an die Tora, kurz, gegen das, was man zu sein meinte, versündigte, wenn man Neidkeime im Herzen trug, Zornanfälle erlitt, leere Bösrede führte, an des Nachsten Leid vorüberging, nach Ehre Gelüste trug, stunden*, tage*, wochenlang das eigentliche Ziel des Toralemens aus den Augen verlor. Blitzhaft wird Rabbi Israel klar, wie weit ab von dem Weg, den man selbst gehen will, einen die unüberlegte, instinktgemäße Handlung forttreibt. Diese Schau auf den trennenden Abgrund« zwischen Aufgabe und Tun ist ein Erlebnis, das im Nu alle Werte umwertet. Unter diesem Schreck über sich selbst, erscheinen plötzlich ganz andere, als die bisher gepflogenen Arbeiten wichtig und dringend. Man müßte zunächst sehen, nicht mehr so viel leeres Zeug zu schwätzen, man müßte zunächst allem Tun das rechte Gewicht, die rechte Erwägung verleihen, man müßte zunächst Gewalt über sich selbst bekommen. Dann, — die Schreckminute ist vorbei, und der Strom des unbewußten, instinktgemässen Handelns über sie hinweggerauscht, man tut wieder, was man vorher getan hatte, man hat jenen angsteinjagenden, schritthemmenden, Besinnung erzwingenden Blickpunkt nicht mehr, — dann bleibt ein ratloses Sicherinnem an jene Minute zurück, in der man genau wußte, was heute und morgen zu tun war, um besser zu werden. Diese vage Erinnerung: gestern noch, als ich im Schreck plötzlich auf die besinnende Warte hinaufgehoben wurde, war der Entschluß fest in mir, jetzt ist er verschwunden und in seiner zwingenden Unbedingtheit nicht mehr heraufzubeschwören, — diese Erinnerung macht haltlos, macht unglücklich. In ihr vollzieht sich, was jedem geschieht, der eine übermächtige Entscheidung erlebt hat, von der er sicher war, sie würde ihn ummodeln, wenn sie nun zeigt, daß die Kraft ihres Fortwirkens am Widerstand des Alltags zerschellt. In jene Periode nach dem Erschrecken über sich selbst, das die Grundeinstellung von Rabbi Israel geändert hatte, aber ab

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