Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 318)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Mussar. Notizen zur Geschichte einer Bewegung. Von Eselei Carlebach. Dem Andenken von sechsnnddreißlg 66• fährten des Mussar, erschlagen zu Hebron, am 26. August 1929. Mussar wäre mit ״Moral“ zu übersetzen und würde dann der Name einer ethischen Lehre sein, einer Forderung zu gesteigerter Moralität. Im Rahmen der Bewegung aber, von der hier gesprochen wird, hat das Wort noch einen personellen, auf die hebräische Wortähnlichkeit mit יסר zurückgehenden Sinn. Da ist ״Mussar“ nicht ein Prinzip, sondern ein Zustand, da kommt es von der Vorstellung ״Zucht“ her und ist dem Wortbild von schmerzhaft beigebrachter Unterwerfung verwandt; es hat mit Peinigung und ״leiden“ zu tun. Mussar bedeutet dort: die Lehre, wie man sich leiden macht. Zwischen diesen beiden Polen, zwischen der formulierten, proklamierten Sentenz und dem persönlichen Erlebnis spielt die Geschichte der Mussarbewegung sich ab. Diese beiden Gesichte hat sie gleichzeitig der Umwelt gezeigt. Das eine, die Forderung nach gesteigerter Ethik, ist unangefochten aber auch nur kaum geschildert geblieben; es bot im Wesen nichts Neues. Das andere, das Erlebnis, ist kein Gegenstand für die zünftige Geschichte- Schreibung; es blieb vollkommen im Verborgenen. Das ist natürlich kein Zufall. Der Weg, den die Bewegung von den scharfen Umrissen der Parole zu den verschwommenen Impulsen anonymer Taten genommen bat, läßt sich wirklich nicht mit exakten Daten festhalten. Die Mussar-Theorie aber ist so beschaffen, daß sie kaum eine reiche Geschichte konkreter Äußerangen, Zahlen und Gesetze haben konnte. Denn sie ist im Grunde nichts als der Hinweis auf eine schon oft gerügte Diskrepanz, die