Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 305)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Der frühe Tod Romanns erregte allgemeine Teilnahme in jüdischen und selbst außerjüdischen Kreisen, denn schon war in allen Gemeinden Deutschlands sein Ruf verbreitet und unter der gebildeten Orthodoxie war sein Name mit Ruhm genannt. Groß war besonders die Trauer um den kaum zweiunddreißigjährigen, aufrichtig verehrten geistlichen Führer in Kassel, seiner Gemeinde; denn weder Altgläubige noch Moderne täuschten sich über die Groß♦* des Verlustes, alle teilten das eine Gefühl: Rom an n ist unersetzlich! und — er ward nicht ersetzt. — Die Stellung und der persönliche Einfluß Wetzlars war nach Romanns Tode noch bedeutender als vordem, denn nun war er in Kurhessen die hervorragendste Stütze der Orthodoxie. Das Provinzial- Vorsteheramt in Niederhessen unter Führung des Dr. Pinhas erhob wieder kühn das Haupt und setzte alle Hebel in Bewegung, um das erledigte Rabbinat einem liberalen Kandidaten zuzuwenden. Aber auch die Orthodoxie war rührig und hatte sich der Unter- Stützung der Regierung zu erfreuen. Zunächst bewirkte der landesherrliche Kommissar, daß Wetzlar, obgleich nur Kreisrabbiner, Mitglied dt s Landrabbiuats wurde und die Orthodoxie ihre Vertretung in demselben fand; und Wetzlar behielt auch dann noch seinen Sitz darin, nachdem ein neuer Landrabbiner angestellt worden war. Wetzlar und seine Partei arbeiteten zwar darauf hin, daß ein ehemaliger Schüler Romanns, Dr. Feuchtwang, jetzt Rabbiner in Nikols bürg, sich um die erledigte Stelle bewarb, der auch alle Aussicht batte, gewählt zu werden, indem viele Gemeinden in der Provinz im Einverständnis mit der orthodoxen Minorität in Kassel für dessen Anstellung petitionierten und das Ministerium seine Berufung begünstigte. Aber Dr. Feuchtwang zog seine Bewerbung wieder zurück, weil er bei dem Widerwillen der Majorität gegen seine Richtung nicht die Aussicht hatte, in Kassel eine für das Judentum erfolgreiche WirKsamkeit entfalten zu können. Der Kampf mit den neologen Elementen im Landrabbinat, der nunmehr Rabbiner Wetzlar zufiel, wurde glücklicherweise dadurch erleichtert, daß das Provinzial-Rabbinat in Fulda durch einen orthodoxen Rabbiner besetzt war, zuerst durch Dr. Rosenberg (später in Groningen) und dann durch Dr. En och, welche beide sich natürlich Rabbiner Wetzlar anschlossen. Auch Rabbiner Felsenstein in Hanau war in wichtigen Fragen meist auf seiner Seite,