Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 304)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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279 archaischen Zustände noch gesehen und genossen und müssen es nun erleben, wie die Wogen des Unglaubens hoch gehen, durch deren gewaltsamen Einbruch die Herzen der Jugend vergiftet, innige Familienbande zerrissen, so viele ehemals in Eintracht lebende Gemeinden zerklüftet werden, und die Gesetzestreuen starke Versuchungen zu bestehen haben. Aber später lebende Ge« schlechter werden einst diejenigen beneiden, denen es beschieden war, in diesem gewaltigen Geisteskampfe mitzustreiten, welche mit schweren Opfern ihre Anhänglickeit und Treue mannhaft bewährt und mit glaubensstarkem Mute dazu beigetragen haben, einer halb verloren geglaubten Sache wieder aufzuhelfen und einen glückliehen Fortgang zu verschaffen.“ Rabbi Mordechai Wetzlar war es vergönnt, diese Wieder- Verjüngung des Judentums noch zu erblicken. In die letzten Lebensjahre Romanns fiel noch das erste Auftreten des Rabbinen Samson Raphael Hirsch in Oldenburg, über dessen literarische Tätigkeit er mit hoher Anerkennung sich aussprach. Romann selbst hatte 1838 ein größeres apologetisches Werk begonnen und es Rabbiner Wetzlar gezeigt. Allein letzterer riet ihm entschieden ab, es zu veröffentlichen, noch überhaupt schriftstellerisch aufzutreten, weil er nur neue Angriffe gegen sich und die jüdische Sache dadurch provozieren würde. ״Das gedruckte Wort“, meinte er, ״könne von den Gegnern mißdeutet, etwa schwache Stellen zu neuen Angriffen von ihnen benutzt werden. Hier sei, mehr als sonst, die alte Weisheitsregel שב תעשה עדיף am Platze; nur durch Schweigen könne man den Gegner ermüden. Bernays sei gewiß den modernen Theologen gewachsen, dennoch würdige er sie keiner Erwähnung, ignoriere ihre Herausforderungen, gehe ruhig seinen Weg und tue, was seines Amtes sei. Dies sei jetzt das klügste Verfahren, denn selbst Maimonides habe dem Judentum nur einen zweifelhaften Dienst geleistet, als er den סודה נבוכים schrieb.“ Romann ließ sich durch diese Gründe bestimmen und in der Tat ist niemals etwas von ihm im Druck erschienen. Vielleicht ist dies doch zu bedauern, und dürfte Wetzlars große Ängstlichkeit wohl darin ihre Erklärung finden, daß er selbst weder das Wort noch die Feder mit der seinem reieheu Wissen entsprechenden Kraft zu führen vermochte.