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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 299

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 299)
Language
German
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274 nachdem derselbe in Kassel eine glänzende Probepredigt (über den Text מי האיש החפץ חיים) gehalten und in Marburg bei der theologischen Fakultät ein rühmliches Examen bestanden hatte. Sechs Jahre nur hatte Romann die ehrenvolle Stelle als Kurhessischer Landrabbiner inne; erst 32 Jahre alt, wurde er von seiner irdischen Laufbahn abgerufen.1) Aber diese sechs Jahre waren überaus fruchtbar und von unberechenbarer Bedeutung für das Land; sie sind denen unvergeßlich, die mit Romann auf den gleichen Wegen wandelten; was sie nun erst einem R. Mordeehai Wetzlar sein mußten, läßt sich nur nachfühlen, nicht schildern! Für den Freund und treuen Amtskollegen R. Mordeehai Wetzlars dürfen in diesen Erinnerungen wohl einige Zeilen Raum finden; in den jüdischen Annalen dieser Periode, deren Schilderang einer gediegerenen Feder‘Vorbehalten bleiben möge, dürfte sein Andenken ein schönes volles Blatt ausfüllen. Romann war eine liebenswürdige Erscheinung, und die Kasselaner hingen mit der herzlichsten Verehrung an ihm. Er war freundlich gegen Geringe, lebhaft und geistreich in der Unterhaltung mit Gebildeten und unerschöpflich an Witz und gesundem Humor, und in dieser Beziehung kontrastierte er gegen den Ernst Wetzlars. Seine Predigten übten einen wahrhaften Zauber aus auf die Menge und in Gelegenheitsreden war er unübertrefflich. Dabei besaß er ein schönes Organ, einen fließenden, melodischen Vortrag und verstand seine Predigten mit anziehenden Bildern aus Talmud und Midrasch auszuschmücken, deren Allegorien er anmutig zu popularisieren wußte. In dem Maße, wie reich und arm für ihn schwärmte, machten ihm jedoch die jüdischen Behörden das Leben sauer, denn die Mitglieder derselben, unter denen einige akademisch Gebildete moderne Gesinnungen und Ansichten hatten, drängten ihn beständig mit Reformvorschlägen. Anfangs zeigte Romann sich nachgiebig, wo es ihm irgend gesetzlieh zulässig erschien; als er aber sah, wie die Ansprüche der Reformfreunde wuchsen, und wie schwer sie zu befriedigen waren, da rief er ihnen ein festes: Bis hierher und nicht weiter! entgegen. Er hatte seitdem viele Verdrießlichkeiten durchzumachen, und, wie *) Er starb merkwürdigerweise genau zu derselben Stunde, in welcher er nach Kassel kam.

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