Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 298)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486297--8749-3495129- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
273 Aber diesen Antrag wies Babbiner Wetzlar entschieden zurück. Die Trennung der Babbinatsfunktionen in der beabsichtigten Weise, sagte er, sei eine Herabwürdigung des Amtes. Gar viele würden durch eine derartige Teilung zu der irrigen Annahme verleitet werden, als sei die Predigt der integrierende Teil der Wirksamkeit eines jüdischen Geistlichen, und den Hauptberuf desselben würden sie als etwas Nebensächliches betrachten. Seine Einwilligung in diese Teilung müßte sie in diesem Wahn bestärken, und die mögliche Folge sei eine Gefährdung der jüdischen Interessen; denn gar manche Gemeinde — sei es aus ökonomischen Bücksichten, sei es aus Unkenntnis — könnte sich dadurch hewogen fühlen, einen neologen Babbinen anzustellen, da man lieber auf einen Talmudkundigen als auf einen guten Prediger verzichten würde. Einem solchen tendenziösen Mißbrauch werde er nie Vorschub leisten, — eine rechte Mutter willige nie in die gewaltsame Teilung ihres geliebten Kindes. Einfluss nach aussen? Beziehung zu anderen Rabbinen- Je weniger Babbiner Wetzlar bei der Babbinerwah! in Kassel sein eigenes Interesse beachtet hatte, und das Wohl des Ganzen vielmehr zum Motiv seiner Entschließungen hatte sein lassen, desto mehr erhöhte seine Uneigennützigkeit das Vertrauen, das er genoß, und gab seiner Stimme eine gewisse Bedeutung. Er arbeitete selbstverständlich darauf hin, die Stelle als Landrabbiner einem der Orthodoxie zugehörigen Kandidaten zuzuwenden, was in jener Zeit kein Leichtes war, und bot seinen Einfluß auf, die gleichgesinnten Parteigenossen in Kassel zu vereinter Tätigkeit. anzufeuern. Im Stillen steuerten viele diesem Ziele zu; aber offen und mit lebhaftestem Eifer nahm sich der Angelegenheit ganz besonders ein frommer, würdiger Privatmann an, dessen Name erhalten zu werden verdient. Babbi Jehnda Marburg (Gustorf) war es, der den Mut hatte, dem Minister des Innern die Wünsche der Altgläubigen auf das angelegenste an das Herz zu legen, und sein Verdienst ist es vornehmlich, daß der von B. Abraham Bing ihm warm empfohlene Babbinatskandidat Dr. Ph. Romann1) aus Heidingsfeld bei Würzburg als Landrabbiner gewählt wurde, ג) ßabb. Romann in Kassel: עיי' נדילי* טהרה תשרבה ל׳א. Jahrbuch der J. L. 6. XXII. 18