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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 296

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 296)
Language
German
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271 an einen Rabbiner gestellt wurden, noch immer die talmudische Tüchtigkeit in den Vordergrund trat, dnreh die Vorsteher der Wahlkomitees unter anderen auch Rabbiner Wetzlar vorgeschlagen worden; der Zufall fügte es sogar, daß die betreffenden Komitee- Mitglieder sich um Auskunft über seine Person an seine wohlwollendsten Freunde wandten. Allein diese hoben in ihrem Beriehte, ebensowohl aus gewissenhafter Rücksicht gegen die Gemeinden, wie aus wahrhaft freundschaftlichen Gesinnungen gegen Rabbiner Wetzlar selbst, eben jenen Mangel an Rednertalent als das einzige Hindernis aufrichtig hervor, während sie selbstverständlieh von seiner Persönlichkeit mit alter gebührender Hochachtung und Anerkenn ung sprachen. Diese rechtschaffenen Männer hielten in uubefangener Würdigung der Verhältnisse es auch keineswegs als Glück für ihn, den Rabbinatssitz in einer größeren Stadt einzunehmen; sie wußten wohl, Wetzlar müsse den Edeln in jeder Gemeinde genügen, nicht aber in eben dem Maße den Ansprüchen des größeren Publikums, das gern schöne, dem Ohr sich einschmeichelnde Worte hört und mit seinem Prediger auch vor anderen Konfessionen gern prangen möchte. Sie besorgten wohl nicht mit Unrecht, daß die Erwählung Wetzlars zum Rabbiner, wie erwünscht sie ihm und denSeinigen auch sein mochte, vielleicht eine Quelle trüber Erfahrung für ihn hätte werden können, und so trugen sie in seinem eigenen Interesse Bedenken, sein nur vermeintliches Glück zu fördern. — Die Folge davon war denn auch, daß jene Gemeinden, obgleich mit Bedauern, doch immer wieder von seiner Wahl absaheu, und daß die Aussicht auf einen größeren Wirkungskreis, den mehr als er, die Seinigen wünschten, immer weiter in die Ferne gerückt wurde. Dagegen wurde ihm damals ein Antrag gemacht, auf den vielleicht mancher andere bereitwillig eingegangen wäre, und durch dessen Annahme seine Privatverhältnisse für seine ganze Zukunft sich wesentlich anders gestaltet hätten. In Kassel war nämlich seit 1814, in welchem Jahre Rabbi Löb Berlin verstarb, die Stelle eines Landrabbiners unbesetzt geblieben und man hatte sich von da ab mit einem מורה צדק, Rabbi Samuel Witzenhausen (Josaphat) beholfen, der aber schon um 1830 starb. Die Mehrzahl der Gemeinde war damals noch religiös und drang auf Berufung eines frommen Rabbiners; das Israelitische

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