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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 294

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 294)
Language
German
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269 baten, konnte man wohl in Wahrheit sagen: הוא פורש ובובה והם פורשים וברכים. Betend und lernend durchwachte er in seinem Hause die יום T1&>Nacht; daher blieben einige seiner Schaler bei ihm, um der betreffenden religiösen Vorschrift zu genügen. Zudem bediente sich Babbi Mordechai Wetzlar in seiner Unterhaltung am יום בפור nur der hebräischen Sprache, und es war, da er mit sonst niemand verkehren konnte, ihre Anwesenheit auch darum schon notwendig. Niemals überkam ihn Müdigkeit oder Schwäche, nur ein Gefühl belebte, nur ein Gedanke beherrschte seine Seele: Heute ist יום כפור! Und so fand ihn noch der anbrechende Morgen, der seine andächtige Beschäftigung unterbrach, um ihn sofort zum gemeinsamen Gebete in der Synagoge abzurufen, wo er dann immer wieder einer der ersteh war. An מוצאי יום כפור hingegen trug das Haus eine veränderte Physiognomie. Babbiner Wetzlar kam mit freudigem Angesicht aas der Synagoge, wie ein Feldherr nach glorreichem Siege. Da wußte jeder viel von dem Tage zu erzählen und wie es ihm und den Bekannten ergangen; jeder fühlte sich erleichtert und gehoben und die Eindrücke des hohen Festtages erhielten sieh noch lange in lebhafter Erinnerung und nachhaltiger Wirkung. Es darf wohl kaum erwähnt za werden, daß auch die übrigen Feiertage die ihnen gebührende Würdigung im Hause fanden, und daß "״שמחת י״ט die Devise war, womit man ihre Einkehr bezeichnete und ihre Erscheinung begrüßte. Selbstverständlich wurde dann vor סכות immer מסכת סוכה, vor פסח ebenso מ׳ פסחים gelernt und am zweiten Seder-Abend פי י״ ממנחות vorgetragen. Durch diese von Babbiner Wetzlar geübte Praxis erhielten selbst diejenigen, welche sich nicht dem ernsten Talmudstudium widmeten, eine innige Vertrautheit mit dem jüdischen Gesetzesleben. Babbi Mordechai Wetzlar hatte ursprünglich eine gesunde und kräftige Konstitution und ich erinnere mieh nicht, daß er, außer in seinen .letzten Jahren, einmal ernstlich unwohl gewesen; aber er hatte durch sein asketisches Leben in Hanau sich so geschwächt, daß es ihm bis in sein hohes Alter noch nachhing. Die Überarbeitung in seinem Berufe — da er sich nie genug tat — zog ihm einst, schon in den ersten Jahren nach seinem Amtsantritt einen Anfall von Ohnmacht zu, und dies war die Veranlassung,

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