Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 293)
- Language
- German
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268 dem zukünftigen entgegensah, so verfehlte er auch nie hei dem Genüsse des Festmahles die hierauf bezüglichen rituellen Wünsche anzuknüpfen. Nach Tisch wurde regelmäßig משניות מס׳ ר״ה gelernt, wobei gewöhnlich auch die verheirateten Gemeinde-Mitglieder, welche zu gratulieren gekommen waren, anwesend blieben. Wo R. Wetzlar nicht Veranlassung hatte, ihnen spezielle Wünsche auszusprechen, vermied er gern eine Herzählung und pflegte in seiner Entgegnung nur darauf hinzu weisen, wie in der Erhörung unserer Gebete an den ימים הנוראים ja auch zugleich die Erfüllung unserer Wünsche einbegriffen sei. In den סליחות-Tagen und עשרת ימי תשובה, die er bis in sein höchstes Alter steds in sichtlich innerer Unruhe verlebte, wurde nach dem Frühgottesdienste eine Stunde משניות מס׳ יומא gelernt, und der סדר יום הכפורים aus der נמרא ergänzt und mit dem פיוט verglichen. Mannigfache שאלות, die bekanntlich in diesen Tagen auf dem Lande recht zahlreich zu sein pflegen, beschäftigten ihn neben den Privatübungen und Studien, denen er in dieser Zeit sich widmete; alles war Vorbereitung für den herannahenden heiligen Tag. Den עי״כ verlebte er in größerer Zurückgezogenheit und nur in dringenden Fällen ließ er sich stören. Bei Tische sprach er wenig, konnte auch wenig genießen. Und gleich wie im gesellschaftlichen Leben der Ernst, wie der Frohsinn sich einer ganzen Umgebung mitzuteilen pflegt, so wirkte das Vorbild im Hause auch in dieser Stunde auf alle Bewohner desselben und reifte ihren Sinn zu frommen Entschließungen und religiöser Sammlung. Ehe Rabbi Mordechai Wetzlar vor כל נדרי das Haus verließ, ging er zu sämtlichen Hausgenossen, Groß und Klein, und bat sie um Vergebung, wenn er im Laufe des Jahres ihnen durch Wort oder Tat einmal zu nahe getreten sei; selbst seinen Schülern kam er immer darin zuvor, und bat sie unter Tränen, ihm מוחל zu sein, wenn er etwa durch Vermahnung oder Tadel sie in ihrer Ehre oder ihren Gefühlen verletzt haben sollte. In seiner selbstlosen Bescheidenheit bewunderten sie seine Größe. Weit entfernt, daß Rabbiner Wetzlars Herablassung ihn in den Augen seiner Schüler hätte heruntersetzen können, war sie vielmehr beschämend für dieselben und wie sie nun ihrerseits auch׳ seine Verzeihung sich er-