Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 292)
- Language
- German
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seiner Familie und milde Spenden den Armen seiner Gemeinde erteilt hätte; denn zu שמחת יום טוב beizutragen war ihm eine teure und zugleich angenehme Pflicht, und die heitere Stimmung, welche Jung und Alt an den Jomtow-Tagen durchdrang, erhielt Nahrung und Belebung durch die festliche Freudigkeit seiner reinen Seele. Aber einen noch höheren Grad der Heiligung erreichte die erhebende Feier des ראש השנה und des יום כפור in seinem Hause und in seiner Gemeinde. Von der Wichtigkeit und Bedeutung dieser hohen Festtage erlangten die Gudensberger erst durch ihren Rabbiner einen Begriff, der in diesen Tagen wahrhaft wie ein קדוש lebte, und überhaupt in den עשרת ימי תשובה so innerlich aufgeregt war, daß wer mit ihm umging, hätte glauben sollen, man sehe eine schuldbewußte Seele, nicht einen gottesfiirchtigen Jehudi vor sich. Denn so milde und nachsichtig er stets im Urteil gegen andere war, so streng ging er mit sich selbst zu Gerichte, und es war seine stete Besorgnis, er möchte einem seiner Nebenmenschen im Laufe des Jahres ein Unrecht getan oder durch die Offenherzigkeit, mit der er jedem die Wahrheit sagte, verletzt haben. Am ersten Abend des ראש השנה betete er lange und inbrünstig und ließ darum nicht, wie es sonst gebräuchlich war, nach der תפלה die Gemeinde auf sich warten. Nach beendigtem Gottesdienste stand er noch lange in Andacht an seinem Platze; die Synagoge hatte sich bereits geleert und nur seine Schüler verweilten noch in ehrerbietiger Stille und warteten das Ende des Gebetes ab. Wenn er nach עשה שלום sich dann umwandte, und ihnen die Hand entgegenreichte, nahten sie sich ihm und sprachen ihre Glückwünsche mündlich aus oder überreichten sie ihm Schriftlieh in gebundener oder ungebundener Rede, worauf er ihnen den Segen erteilte. Er konnte selten viel sprechen vor Bewegung und erwiderte unter Tränen wenige, doch herzliche Worte. Rabbiner Wetzlar ging nun unter Begleitung seiner Schüler in seiu Haus, wo Gattin und Kinder seiner harrten. Hier war der Empfang innig, wie beim Wiedersehen nach langer Trennung, als hätte ein langer Zeitraum gelegen zwischen dem alten und dem neuen Jahre. Aber Glück und Freude leuchtete aus ihrer aller Augen, wenn er im Rückblick auf das verflossene Jahr dankbar die vielen Wohltaten hervorhob, welche der Allgütige ihm und den Seinigen hatte zuteil werden lassen; und so wie er hoffnungsvoll