Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1931-01-01 · XXII = 1931/32 (1931-1932) · page 291

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXII = 1931/32 (1931-1932)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 291)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3486266-3486297--8742-3495122
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

266 war nicht der geringste Anteil, den seine edle Gattin an der Seligkeit hatte, welche die bescheidenen Räume seines Hauses in sich schlossen. Wenn Rabbiner Wetzlar auch nichts weniger als ein guter Sänger war, so hinderte ihn das doch nicht, ein großer Gesangesfreund zu sein und waren ihm die üblichen זמירות an den Freitag- Abenden ebenso sehr Gewohnheit als Bedürfnis. Seine Schüler und Tischgenossen wetteiferten daher im Vortrag schöner und feierlicher Melodien und sammelten oder erfanden selbst angemessene Weisen. Seine Lieblingsmelodien erlangten aber bald die Herrschaft, denn selbst auf diesem Gebiete war sein guter Geschmack — der sich nach den alten הזנים in den größeren, ihm bekannten Gemeinden gebildet hatte — und sein natürlich gesundes Urteil maßgebend, so wie er auch überhaupt in seinem kleinen Kreise zu der Ausbildung und Vervollkommnung des Synagogen-Gesanges mehr Anregung gab als man von einem Laien auf dem Gebiete der Tonkunst hätte vermuten sollen. Vor allem lieb waren ihm die Melodien der Gebete von den ימים הנוראים, die denn auch allsabbatlich nach der סעודה שלישית in gemütlichem Beisammensein von den jungen Leuten abwechselnd oder en ensemble vorgetragen wurden. Bei Tische wurde — auch an den Wochentagen — der Gebrauch beobachtet, vor dem Tischgebet einen Abschnitt aus einem ethischen oder agadischen Werke vorzutragen. Es wurden dann, dem Wunsche der Tischgenossen entsprechend, abwechselnd geeignete Stellen aus מנורת המאור ,ספר החינוך oder עין יעקב gewählt. Diese Vorträge hielt Rabbiner Wetzlar selbst. Zu der sabbatlichen und festtäglichen Tagesordnung gehörte die cursorische Lektüre der laufenden סדרה mit Raschis Kommentar, und zwar im Winter an den Freitag-Abenden, im Sommer nach dem Frühgottesdienst. Zu den betreffenden Zeiten wurden die המש מגילות durchgenommen, an welchen Übungen sich regelmäßig auch Frau Rabbiner Wetzlar beteiligte. Die allseitige Besprechung und Beleuchtung des Inhaltes war denn auch immer ebenso anziehend als belehrend und förderte die Kenntnis jüdischreligiöser Schriften und ihrer praktischen Tendenzen. Kein Feiertag trat ein, ohne daß Rabbiner Wetzlar nach Maßgabe seines Vermögens reichliche Geschenke den Mitgliedern

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.