Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXII = 1931/32 (1931-1932)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 288)
- Language
- German
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261 I? eigenen Hause genießen, obwohl er sonst so מחמיר war, daß bei ihm nie מצה eingeweicht werden durfte. Das hielten einige als eine Hinneigung zur modernen Richtung. Auch die Neuerungen in Schule und Synagoge wollten nicht allen behagen, und bezeichnend war in dieser Beziehung das tragikomische Auftreten eines alten Mannes, der, als er einst vor מנחה-Gottesdienst in das Schullokai eintrat und die Knaben während des noch nicht beendigten Rechenunterrichts mit entblößten Häuptern sitzen sah, sich an Rabbiner Wetzlar in gedehntem Tone mit der ironischen Frage wandte: ״Herr Rabbiner, sind denn das da auch Jüddeiijüngelchen? “ Überhaupt war in der ersten Zeit das Verhalten mancher Gemeindeglieder gegen ihren Rabbiner ebeu nicht ehrerbietig zu nennen, und ihr Auftreten bewegte sich mehr als einmal in Formen, wie sie Gebildeten unerträglich sind. Unter vielen erinnere ich mich sogar eines Beispiels, wo nach einer ernsten שובה mtP-Predigt, von der sich mehrere getroffen fühlen mochten, ein junger Mann von zwar gutmütiger aber heftiger Gemütsart seinem Zorn in handgreiflicher Weise Luft zu machen drohte. — Eine diesem Menschen verwandte ältere Frau eilte in ■großer Aufregung in Wetzlars Wohnung, um ihn davon in Kenntnis zu setzen und ihn zu warnen, damit er jeder Begegnung mit dem Aufgebrachten ausweiche und sich nicht vor ihm sehen lasse. Rabbi Mordecbai Wetzlar lächelte. ״Ein wackeres Schlachtroß“ erzählte er ihr statt aller Antwort, ״war alt und kriegsuntüchtig geworden, und sein dankbarer Herr gab ihm das Gnadenbrot auf seinen Gütern, wo es nach seinem Befehle frei und von jedermann unbehelligt herumstreifen durfte. Einst graste es auf dem Acker eines Bauern, der nun voller Besorgnis ward, es könne das Roß ihm das Getreide abfressen, und der es deshalb durch Schreien und drohend gehobenen Fäusten und Peitschenknallen zu verscheuchen suchte. Vergebens, das Pferd ließ sich nicht stören. Da dachte der Bauer: warte, ich will dir schon Respekt einflößen, und holte von seinem Boden eine alte Trommel herbei. Nun stellte er sich auf das Feld und fing aus Leibeskräften zu trommeln an; umsonst, das Roß schien es garnicht zu bemerken. Da sagte ein verständiger Nachbar zu dem guten Bäuerlein: Dieses Roß hat gar oft seinen Herrn mutig in heißer Schlacht unter dem Donner von tausend Kanonen getragen ohne zu zittern und du Tor wähnst es einzuschüchtern mit deinem